Episode Transcript
[00:00:01] Speaker A: Der eine zu Tode verurteilte. In Chicago hat er dann erklärt, man kann nicht ewig wie ein Stück Vieh behandelt werden.
[00:00:10] Speaker B: Es ging, glaube ich, um die Einführung der acht Stunden Woche und wir, liebe Leute, reden von 1886 also die haben
[00:00:20] Speaker A: den Schöneren, die haben den Höheren, den schneiden wir ihnen um, denen tun wir einen Hund an.
[00:00:35] Speaker B: Montalk wissen, was Sache ist.
So, jetzt muss mal was gesagt werden. Über 300 Podcasts haben wir hier von Göbel Radio bereits produziert, 154 davon Moontalks. Aber das, was Sie jetzt hören werden, war wirklich so unerwartet humorvoll, wie es das Thema eigentlich gar nicht hergeben würde. Es geht nämlich um den 1. Mai. In Wirklichkeit haben Herr Prof. Dr. Michael Greger und ich wahnsinnig darüber gelacht, über den Unterschied zwischen dem politischen 1. Mai und dem Maibaum aufstellen. Daran haben wir uns ein wenig delektiert. Wir wünschen viel Spaß beim Zuhören.
Ich begrüße Sie, Herr doktor Grüß. Gott, Herr Göbel, hallo, Sie sind gut gelaunt, das tut mir gut. Ist es das Thema?
[00:01:32] Speaker A: Ja, das Thema ist natürlich sehr spannend.
[00:01:35] Speaker B: Schon, oder?
[00:01:36] Speaker A: Das ist immer eine Herausforderung, wenn man die meistert halbwegs, dann freut es einen
[00:01:42] Speaker B: und ich werde sie jetzt noch, nämlich die Herausforderung verdoppeln, denn eigentlich sprechen wir von zwei Themen, richtig.
Der erste Mai. Wenn man sagt, der erste Mai, komm gut, ist ein Feiertag, da hören alle Völker die Signale gleichzeitig und gehen auf die Straße. Zumindest war es früher einmal so.
Inzwischen hat sich das auch ein wenig, ich möchte nicht sagen verwässert, aber die Menschen zieht es jetzt nicht mehr so in diesen solidarisch auf die Straße.
Vielleicht haben Sie eine Antwort darauf und wir werden darüber sprechen, dass am 1. Mai auch der berühmt berüchtigte Maibaum eine große Rolle spielt in unserem gemeinschaftlichen Leben.
Okay, ich würde sagen, wir spielen zunächst einmal die Faktenbox ein, damit Bettina Scharfschneider uns wieder mal sagt, wovon wir eigentlich sprechen. Bettina, bitte.
[00:02:55] Speaker C: Der 1. Mai entstand als weltweit koordinierter Kampftag der Arbeiterschaft in den Vereinigten Staaten.
An diesem Tag liefen in Amerika alte Verträge aus und die Arbeiter mussten sich neue Dienstgeber suchen. In Chicago demonstrierten Arbeiterinnen und Arbeiter Auf dem Haymarket 186 für einen Stunden Tag.
1889 wurde der 1. Mai von der zweiten Internationalen in Paris als Festtag für das sogenannte Proletariat bestimmt.
In österreichischen Städten wurden die ersten Maikundgebungen 1890 abgehalten.
In der Ersten Republik war der 1. Mai in Österreich ein allgemeiner Ruhe und Festtag.
Ursprünglich galt die Nacht auf den 1. Mai als Unruhnacht, in der unter anderem Mai Bäume aufgestellt wurden. Quellen.
Arbeiterkammer, Wikipedia, Universität Wien und Volkskultur Niederösterreich,
[00:03:46] Speaker B: Dr. Michael Greger Die Unruhnacht haben wir quasi institutionalisiert. Sehen Sie das auch so?
[00:03:55] Speaker A: Ja, da muss man aber aufpassen, weil die Unruhnacht, um die es sozusagen hier geht, also am Schluss sozusagen dieser Faktenbox, ist ein überlieferter Brauch, der sich sozusagen durch das Jahr zieht, dass gewisse Zeiten zu gewissen Festzeiten, zum Beispiel zu Pfingsten, kann aber auch zu Bartholomäus sein, am 24. August oder eben auch in dem Fall in der Nacht zum ersten Mai, das ist ja der Tag des Apostels Philippus, weshalb dieser Brauch im Salzburgischen auch als Philipp bezeichnet wird, haben traditionell Burschen das Recht oder sind durch den Ort gezogen, durch das Dorf gezogen, durch den Weiler und haben alles nicht Niet und Nagelfeste zusammengetragen, entweder am Dorfplatz zusammengetragen oder haben sogenannte Kramerstandeln errichtet. In Salzburg war das also in der Moosstrasse unten, Da durften sich dann alle Landwirte diese Dinge mühsam herausglauben wieder und
[00:05:00] Speaker B: herauslösen, die die Jungs vorher geklaut haben oder was?
[00:05:04] Speaker A: Ja genau, die eben nicht genug verwahrt waren.
Und dazu muss man wissen, das hat jetzt mit Demonstration oder was überhaupt nichts zu tun, sondern das ist natürlich für die jungen Burschen im ersten Moment einmal ernächtlicher Spaß.
Aber wenn man dann genauer kulturwissenschaftlich darüber nachdenkt, dann werden die jungen Burschen indirekt damit an die Ortsnormen angewöhnt. Das heißt, die späteren Hofinhaber, wir sprechen jetzt von einer vormodernen, agrarisch bestimmten Gesellschaft, lernen Hallo, du musst deinen Hof in Ordnung halten, die Dinge gehören am Abend weggeräumt, die Scheune, die Tänne, das gehört alles abgesperrt, das gehört schön zugemacht, da darf nicht irgendwo ein Sense herumliegen oder ein Leiterwagen, den man nicht mehr hineingefahren hat oder wie, das ist sonst weg. Das heißt, das ist ein sogenannter Rühgebrauch. Einerseits. Also die Dorfburschen rügen ja die Abweichung von der Norm, also du schlampiger Bauer, dir werden jetzt die Sachen davongetragen. Indirekt werden die Dorfburschen über diesen Brauchen Das hat Martin Scharfe herausgefunden und nicht der Michael Greger an diese örtliche norm herangeführt.
[00:06:23] Speaker B: Herr Dr. Greger. Das heißt also, wir haben es mittlerweile sogar schon mit einer dritten Dimension dieses Festes zu tun, die was mit Education zu tun hat, die allerdings, wenn ich Sie richtig verstanden habe, nur den Erstgeborenen zugute kam, weil die haben ja die Höfe übernommen, nicht?
[00:06:42] Speaker A: Ja, je nachdem, manchmal waren es ja die Letztgeborenen historischen Erbübernahme. Da müssen wir uns jetzt
[00:06:51] Speaker B: aber allesamt
[00:06:52] Speaker A: Männer, zumeist waren da die Männer unterwegs.
[00:06:56] Speaker B: Ja, aber ich meine auch der Hof wurde nur an den Sohn übergeben, niemals an die Tochter.
[00:07:02] Speaker A: Ja, okay, gut.
[00:07:05] Speaker B: Weil Sie gesagt haben, die jungen Männer sind unterwegs. Gleich zu einer Frage aus unserer Redaktion, Der Mario fragt, was es mit dem Maistrich zwischen den Wohnhäusern von vermeintlich heimlichen Liebespaaren auf sich hat. Also das klingt ja nach ungefragtem Outing, das kann ja Folgen haben.
[00:07:29] Speaker A: Ja, ja, das ist natürlich, das ist auch ein Rühgebrauch.
Also es wird ja genau, es wird gerü sozusagen in dieser Nacht auf den ersten sozusagen auch heimliche Liebesbeziehungen. Das war in früheren Zeiten natürlich ein ganz anderes Thema als heute. Und da hat man zwischen den Häusern von heimlichen Liebespaaren, zuerst einmal waren Sägespäne gestreut und heute haben wir die asphaltierten Straßen. Heute fahren die jungen Leute mit Farbkübeln, einer liegt hinten im Auto irgendwie und leert es ein bisschen hinaus, wird also von einem Haus des Mädchens zum Haus des Burschen gefahren. Also das wird einmal sozusagen öffentlich gemacht und sozusagen durch diesen weißen Strich auf der Straße verbunden. Dann werden da vielleicht auch noch Herzenssymbole dazu gemalt und Namen dazu geschrieben, damit es noch offensichtlicher ist.
[00:08:27] Speaker B: Wer der Gemeinde, darf ich fragen, wurden nur Ledige dazu auserkoren oder hat man schon Verheiratete auch angeklagt sozusagen, dass die,
[00:08:41] Speaker A: also meines Wissens war das hauptsächlich um
[00:08:44] Speaker B: ledige Paare und weiß man, Herr Dr. Greger, weiß man, ob die dann wirklich zusammengekommen sind? Also sind da Familien draus geworden?
[00:08:55] Speaker A: Weiß man das kann ich jetzt nicht von jedem Paar überprüfen?
Das ist schon möglich.
Das ist gut möglich, ja. Zum Teil werden auch andere Dinge gerügt, Also da tut man dann alles Mögliche noch den Brauch ein bisschen ausweiten.
Das wird nicht immer goutiert. Die Geschichte ist halt sozusagen sollte diese Paare da sozusagen veröffentlichen.
[00:09:20] Speaker B: Unsere Chefin Susanne Karner fragt, ob es diesen Brauch schon in der Antike gab. Wie alt ist der?
[00:09:29] Speaker A: Das kann ich jetzt nicht genau sagen, muss ich sagen. Ich bin mit solchen ungeprüften Kontinuitätsbehauptungen generell sehr vorsichtig.
Da haben wir in der Volkskunde ein bisschen unangenehme Erfahrungen gemacht, sodass angeblich irgendwann jeder Brauch germanisch, das ist ganz sicher nicht. Heute ist es keltisch, jeder braucht unter anderem der Maibaum ist ja angeblich so keltisch, was er nicht ist, sichtlich.
Deshalb bin ich mit solchen ungeprüften Kontinuitätsbehauptungen einfach vorsichtig.
[00:10:01] Speaker B: Ja, kommen wir doch zurück zu den Fakten. Also der 1. Mai. Wie wir ihn politisch empfinden, nicht kulturell, sondern politisch wurde ja, und das mag jetzt für viele ebenso überraschend sein, wie es für mich damals war, in Amerika erfunden, im Geburtsland des Kapitalismus. Das erstaunt zunächst, dann ist das aber folgerichtig, denn es war ja genau eine empörte Folge der Vorgänge damals. Es ging, glaube ich, um die Einführung der 8 Stunden Woche und wir, liebe Leute, reden von 1886.
Also so lange kämpfen wir schon um sowas, ja, ich würde mal sagen neppisches, aber nur weil es eben schon so lange da ist, erscheint es uns unwesentlich. Aber 186 war das eine Mörderforderung und zwar wortwörtlich.
[00:11:08] Speaker A: Ja, in Chicago. Ja, also die Zeit damals war natürlich geprägt dadurch, dass also Arbeiter noch sehr wenige Rechte hatten.
Die wurden also nicht nur hier in Mitteleuropa oder in Wien, sondern eben auch in Amerika, genauso aber in Australien sehr schlecht bezahlt und hatten sehr, sehr hohe Wochenarbeitszeiten. Und das haben viele eine Zeit lang mitgemacht. Und manche haben dann beschlossen, ich glaube, der eine zu Tode verurteilte in Chicago hat er dann erklärt, man kann nicht ewig wie ein Stück Vieh behandelt werden. Also man muss einmal sozusagen seine Stimme erheben oder sogar mehr. Man muss auf die Straße gehen, man muss im Notfall auch streiken. Damals haben also die, die Arbeiterinnen und Arbeiter einen sehr geringen Tageslohn oder Stundenlohn bekommen mussten, also sehr viele Stunden, weit mehr als acht, also die haben in der Woche locker 60 bis 80 Stunden zusammengebracht unter Arbeitsbedingungen, die auch nicht wahnsinnig human waren. Also da war noch keinerlei arbeitsmedizinische Überprüfung oder Lichttechnik oder ob da die Abluft, ob da irgendwelche schädlichen Abgase und sonstiges. Also das waren noch ganz andere Arbeitsbedingungen, die wir uns eigentlich gar nicht vorstellen möchten.
Die Tragik an dem Ganzen war, dass es sozusagen genug Arbeitsmaterial oder neues Arbeitsmaterial in Form von Personen gab. Das heißt, wenn die Unternehmer weiter gestreikt wurde, haben die gerne Aussperrungen vorgenommen und haben dann einfach die Nächsten, die vor dem Fabriktor gestanden sind, da reingebeten und die haben diese Arbeit begonnen.
[00:12:54] Speaker B: Aber diese Usance ist ja just bei diesen Demonstrationen damals, 1. Mai 1886 haben nicht gegriffen, denn es haben sich, also auf Deutsch, es haben sich da nur 300 neppische Menschen gefunden.
Und dazu muss man wissen, dass Leute so dringend Arbeit suchten, wie sie Brot und Wasser gesucht haben und trotzdem waren sie solidarisch. Nur dass wir alle auch mal wieder ein Gefühl bekommen für dieses viel benutzte Wort Solidarität, was es wirklich in aller Konsequenz heiß Ich hungere lieber mit meiner Familie, als dass ich meine Klasse verrate. Und das hat ja, wenn ich jetzt richtig recherchiert habe, auch die Mächtigen, also die Industriebesitzer, dazu bewogen, doch in gewisser Weise einzulenken, sonst wäre es ja nicht zu der 8 Stunden Woche gekommen. Aber nicht gleich stimmt es, dass dieser 1. Mai eine friedliche, sehr große, aber friedliche Demonstration war. Und erst am nächsten Tag, glaube ich, am 2. Mai fing dann die Polizei an, als Wiederarbeiter auf die und Arbeiterinnen auf die Straße gingen, da einfach wild in die Menge zu schießen.
[00:14:25] Speaker A: Naja, das muss man jetzt historisch richtig erklären.
Es gab einerseits sozusagen bei Fabriken Demonstrationen, was jetzt Amerika betrifft, wo es jetzt Tote gegeben hat. Gegen diese Toten hat es dann wieder Massendemonstrationen gegeben. Man muss dazu sagen, Massendemonstrationen waren für die Mächtigen der damaligen Zeit, egal ob das jetzt ein paar hundert Jahre früher war der wie jetzt im späten 19. Jahrhundert sicherlich immer sozusagen einigermaßen ein Schrecknis, weil da können alle möglichen Exzesse passieren. Man hat dann leider gerne Polizei und gleich auch Armee, wenn es geht, herbeigezogen, die dann recht schnell auch zu schießen begannen mitunter. Und dann war halt diese erste eigentlich friedliche Massendemonstration gegen diese Schießerei dort, die ist noch relativ friedlich Und am nächsten Tag war dann dieser fatale Bombenanschlag, wo keiner weiß, wer die geworfen hat. Jedenfalls wurden die Anführer der Demonstration sozusagen dann vor Gericht gestellt und auch zum Teil zum Tode verurteilt. Also die wurden zu den Märtyrern sozusagen dieser Heumarktrevolution oder dieser Heumarkt sozusagen dieses Heumarkt, dieser Heumarkt Unruhen, so muss man sagen.
[00:15:41] Speaker B: Ja, bemerkenswert finde ich, dass diese beiden Anführer, die da auch von den Medien auserkoren wurden und dann auch natürlich zum Tode verurteilt wurden, waren ja keine Amerikaner, sondern Deutsche.
Und zwar deutsche Anarchisten.
Deutsche Anarchisten. Waren das die, gut, damals war der Anarchismus noch, ich würde fast sagen, Teil der kritischen Haltung, der kritischen antikapitalistischen Haltung, oder?
[00:16:16] Speaker A: Ja, also ich bin jetzt kein Experte für die Geschichte des frühen Sozialismus, aber es gab da verschiedenste Richtungen und unter anderem halt die Anarchisten. Und das zeigt natürlich auch, dass sie eben ursprünglich Deutsche waren, zeigen natürlich auch die migrantischen Ströme. Amerika galt als das gelobte Land. Es gibt ja Fülle von Literatur dazu.
Zum Teil sind über ja mehr als 100 Jahre immer aus denselben europäischen Armutsregionen, die halt so in den Grenzlagen, also man könnte zum Beispiel sagen, heutiges Moldawien, Moldau etc. Nach Amerika, Also denen wurde sozusagen das Gold, direkte Gold versprochen oder wie man es ausdrücken kann. Also Fantasievorstellungen, dass man dort was erreichen könnte, ähnliche Dinge natürlich. Warum sind so viele damals nach Wien gekommen? Weil Wien halt auch ein riesen Anziehungspunkt war, die Kaisermetropole und dort wäre ich schon Arbeit und Brot und Geld und Glück.
[00:17:24] Speaker B: Ja, heute ist es Shenzhen.
Also das scheint uns innezuwohnen. Nur ich fand es wirklich sehr bemerkenswert, dass diese Tradition, nennen wir es mal so jetzt vorsichtig, des ersten Mais ja mittlerweile in Amerika kaum noch eine Rolle spielt, Schon gar keine Demos mehr auf der Straße, aber umso mehr in Europa. Und mit dieser Info hat sich für mich der Kreis geschlossen, warum das so ist, weil die Revolution wurde nach Amerika exportiert und nach erfolgreich, wenngleich mit großen Opfern erfolgreicher Durchführung zurück nach Europa gebracht. Und hier hat es einen Platz, dieser Platz, Dr. Michael Greger, dieser Platz ist heute nur noch soft, nur noch Emotional.
Ist es Arbeiter Widerstands Nostalgie? Was ist der 1. Mai heute eigentlich? Oder ist es ein Bestätigungsfest für die Sozialdemokratie des Landes?
[00:18:38] Speaker A: Naja, also Ihre letzten Worte schwingen Da schwingt sicher einiges an sozialdemokratischer Nostalgie mit. Wenn man sich die Übertragungen von der Wiener Mai Kundgebung vor dem Rathaus. Ansieht, ist auch, glaube ich, ein bisschen immer, wenn man sich die letzten Jahre so ansieht, immer so ein bisschen auch ein Barometer. Wie geht es denn österreichischen Sozialdemokratie? Da wurden ja schon amtierende Bundeskanzler sozusagen fast von der Tribüne runtergefiffen.
Also das ist schon so ein bisschen ein Barometer.
Ich meine, wir dürfen nicht vergessen, dass wir jetzt am beginnenden 21. Jahrhundert stehen und im Laufe des 20. Jahrhunderts die großen Erzählungen zum Teil an ihr Ende gekommen sind.
[00:19:31] Speaker B: Generell ist das sozusagen, das kann man
[00:19:35] Speaker A: generell beobachten, nicht total kein komplett säkularisierter Staat zum Beispiel, aber es wird auch am Religions am Glaubenssektor wesentlich bunter und so ist es auch am politischen Sektor. Also der die typische Arbeiterin, wo würden wir die jetzt heute suchen? Natürlich gibt es das noch immer und auch gewisse soziale Probleme, die haben wir sozusagen Mitteleuropa oder der westliche Bereich halt in die Regionen verlagert, wo eben heute diese Werkbänke quasi entstehen, in China, in Südostasien, in Indien, wo also die Arbeitsbedingungen zum Teil auch nicht gerade rosig sind,
[00:20:16] Speaker B: aber dort finden sie ja nicht statt, die Demonstrationen wohlweislich.
[00:20:21] Speaker A: Ja, ich denke, das muss wahrscheinlich erst dazu kommen, oder wir kriegen davon auch nicht so viel mit.
Afrika muss man bitte unbedingt auch mit hinein.
[00:20:32] Speaker B: Natürlich, Sie haben vollkommen recht. Absolut. Ja.
Ist denn, wenn ich Ihnen so folge, ist es denn möglich, so einen Tag des Brauchtums und über das Brauchtum werden wir nachher noch etwas zu sprechen wissen, neu zu branden, um sozusagen etwas neuer Inhaltlichkeit zu vermitteln. Denn wenn ich Ihnen jetzt zugehört habe und reflektiert habe, wo der 1. Mai heute steht bzw. Wo die Welt steht, die den 1. Mai feiert, fällt mir natürlich sofort künstliche Intelligenz ein. Also im Zuge dieser neuen Situation wäre es nicht möglich, dass wir den 1. Mai ab sofort neu benennen und das ist der Kampftag für uns alle, dass jene Gelder, jene Gewinne, die über die KI und die Robotik und all das, was damit zusammenhängt, generiert werden, auch für die Gemeinschaft ordentlich und sauber besteuert werden. Wäre das möglich?
[00:21:45] Speaker A: Das ist natürlich möglich.
Das hängt, das hängt immer von den Menschen ab, die das in die Hand nehmen wollen. Das können politische Bewegungen sein, das können Gewerbe, gewerkschaftliche Bewegungen sein. Also wir haben heute natürlich Gott sei Dank hier in Österreich nicht mehr die Zustände, Wie gesagt, von 1889, also man muss schon dazu sagen, dass er dann die zweite internationale 1889 diesen ersten Mai. Sozusagen als großen Kampftag des Proletariats sozusagen in die Wege geleitet hat.
Wie gesagt, es steht uns immer zu, neue Bräuche zu schaffen bzw. Auch überlieferte Brauchtermine mit neuen Inhalten zu füllen und zu schauen, wollen wir das, wer macht mit?
Wenn man beobachtet, dann haben sich ja auch die Mai Feierlichkeiten und die Arten, wie man jetzt diesen ersten Mai begeht, schon innerhalb der Arbeiterorganisationen ja stark geändert. Das ist ja dann von Mai Aufmärschen zum Teil zu Picknicken oder gemeinsamem Frühstücken oder so, also etwas geselliger mit etwas mehr kulinarischer Atmosphäre geworden. Offenbar hoffte man sich so wieder mehr Menschen anzuziehen, da kann man sich auch so seine Gedanken machen. Also es zeigt doch, dass gewisse überlieferte aktionistische Formen offenbar nicht mehr ganz so den Nerv der Zeit getroffen haben.
[00:23:19] Speaker B: Ja, überprüfen wir das doch kurz, denn wir waren mit dem Montalk wie immer auch auf den Straßen Niederösterreichs unterwegs, diesmal in Wiener Neustadt und Christoph hat die Menschen gefragt, wie sie denn den 1. Mai heuer begehen.
Wie feierst du denn den 1. Mai zum Beispiel spazieren gehen, Autofahren mit Freunden,
[00:23:43] Speaker C: treffen mit der Familie zu Hause.
[00:23:46] Speaker B: Gibt es da irgendwelche Rituale? Maiaufmarsch, Maibaum, gar nichts, Gar nichts?
[00:23:51] Speaker C: Nein, eigentlich gar nicht. Also ich feier ihn nicht.
Es ist halt, ich weiß, es ist ein Feiertag, aber es ist einfach so und ich mach nichts Besonderes.
[00:24:02] Speaker B: Ich feiere auch nicht mir, es ist egal.
[00:24:06] Speaker A: Wahrscheinlich gar nicht so.
[00:24:07] Speaker B: Also ich feier jeden Tag.
Ich hätte gesagt, ich nehme den Tag frei und mach was ich will, einfach ausruhen, essen auch vielleicht essen, ja, natürlich, wie immer, aber das war's. Eigentlich dürfte ich fragen, was ist am
[00:24:21] Speaker A: ersten 1. Mai wieder Maiaufmarsch in Wien?
[00:24:24] Speaker B: Ich besinne mich meiner Wurzeln und das sind welche Arbeiterfamilie im Waldviertel eigentlich eh feierlich. Das heißt was genau ihr Tag der Arbeit, oder? Genau, ja, wegen dem geht's zum Maiaufmarsch. Ja, ich schon. Ich bin das von der Steiermark so gewohnt.
[00:24:42] Speaker C: Ich mache auch da mit in Wiener Neustadt.
[00:24:45] Speaker B: Ich wohne da schon 20 Jahre. Für mich ist das halt, ich komme aus einer Arbeiterfamilie, ganz natürlich, dass das so ist.
Ist das nicht beruhigend, was einige von denen jetzt gesagt haben, dass sie sich ganz bewusst und stolz und leidenschaftlich ihrer Herkunft besinnen? Das ist doch eigentlich ein kämpferisches Proletariat, was wir schon lange tot geglaubt haben.
[00:25:10] Speaker A: Ja, also ich weiß nicht, ob es jetzt so kämpferisch ist, aber es ist zumindest eine Erinnerung an eine Tradition. Und es gibt eben, wie gesagt, nicht nur die agrarischen Traditionen in Österreich, sondern es gibt eben auch die oder die Feudaltraditionen, sondern es gibt immer auch die Arbeiter Arbeiterinnen Traditionen.
[00:25:30] Speaker B: Ja, ja, aber wenn die Menschen sagen, das bin ich so gewohnt aus der Steiermark, ich komme aus einer Arbeiterfamilie im Waldviertel, haben wir alle erstmal Bilder hinter unseren Augen, die auch jeglichem Protest das Recht zu sprechen, weil es ist nirgendwo bereits alles getan für die Gemeinschaft und die Gerechtigkeit in der Gesellschaft. Und dass Menschen sich an diesem Tag wirklich vornehmen, eben nicht die Füße lang zu strecken, sondern eher auf die Straße zu gehen, Das finde ich beruhigend.
Nur bin ich mir halt nicht sicher. Wie stehen Sie dazu, ob das heute noch einen Hebel hat?
[00:26:21] Speaker A: Ja, das wäre die Frage. Also wie gesagt, wir haben heute natürlich genauso Ungerechtigkeiten in der Vermögensverteilung.
Gott sei Dank, wie gesagt, geht vielen Menschen bei uns relativ gut und man hat also einiges erstritten von medizinischer Versorgung etc. Die da in den letzten Jahrzehnten entstanden ist. Wir kommen ja heute schon langsam wieder an die Grenzen des Ganzen, wo wir sehen, aha, es ist offenbar nicht genug bzw. Die Gesellschaft ist in ihrer Alterspyramide, hat sich so entwickelt sozusagen, dass wir da neue Zugänge auch brauchen. Ja, ich glaube, dass es unter Umständen über, sei es Social Media oder andere Varianten, möglicherweise Möglichkeiten gibt, unter Umständen aus seinem Unmut sozusagen oder den Notwendigkeiten, die man sieht, sich da Gehör zu verschaffen.
Es gibt ja zunehmend auch so Petitionsforen, wo man sich beteiligen kann, die sich allen möglichen Problemen widmen, Ob das jetzt der Weisheit letzter Schluss. Ich glaube, dass wir hier generell in einer Entwicklung sind, deren Ende wir noch nicht absehen können.
[00:27:40] Speaker B: Eigentlich wie immer nicht. Also sollte uns nicht davon abhalten, mitmischen zu wollen. Also wenn wir dann genug zum politischen Thema jetzt einmal derweil, das ist ja und daran möchte ich Sie, liebe Hörerinnen und Hörer, auch erinnern, nicht unbedingt ihr Fachgebiet.
[00:27:59] Speaker A: Ich bin jetzt nicht der österreichischen Arbeiterinnen oder Arbeiterhistoriker ein bisschen kundig gemacht, weil unser Fachgebiet Volkskunde speziell ab den er Jahren auch die Arbeiterinnen und Arbeiter als neues Feld sozusagen entdeckt hat und da schon auch etwas ein bisschen zur kulturwissenschaftler Arbeiterinnenbewegung beigetragen hat.
[00:28:20] Speaker B: Genau und jetzt kommen wir zu der Schnittmenge zwischen dem politischen 1. Mai und dem Brauchtums 1. Mai nämlich das Phänomen des Maibaum Aufstellens, des Maibaums an sich. Ich wiederhole, Susannes Ist denn der Maibaum vielleicht sogar schon in der Antike da gewesen? Ich meine, der Baum ist ja seit jeher unglaublich besetzt, mythisch nahezu nicht auch, weil er ja auch
[00:28:59] Speaker A: Ja, der Punkt ist, wie gesagt, wir müssen da immer aufpassen, wir müssen die Phänomene sehr genau ein grenzen, sonst kommen wir eben zu diesem Jahr. Das war ja schon bei den alten Germanen oder bei den Kelten so und über deren konkrete Bräuche natürlich hatten die auch bräuchten Rituale, aber über die konkrete Ausformung können wir sehr wenig sagen, wenn wir wirklich korrekt archäologisch da auch vorgehen, so wie wir es heute verstehen. Innerhalb der empirischen Kulturwissenschaft, Erfolgskunde ist der Maibaum in seiner ersten Phase ein Rechtssymbol gewesen. Das heißt, wir haben da Belege bereits aus dem 13. Jahrhundert, da wurden die Maibäume von Seiten der Obrigkeit aufgestellt. Also es war Aufgabe der Obrigkeit, sie aufzustellen, um ein Zeichen, ein deutlich sichtbares, weithin sichtbares Zeichen zu setzen, dass ab diesem Moment die Felder und Wiesen nicht mehr betreten werden sollten, weil ausgesät war, weil ausgesät war und man nicht alles zusammentrampeln wollte, weil eine Ernte damals natürlich ganz andere existenzielle Bedeutung hatte als heute.
[00:30:15] Speaker B: Ja, wow, okay, okay, okay, okay. Also wir haben Jetzt vom Was 13.
[00:30:21] Speaker A: Jahrhundert haben Sie gesagt, 13. Jahrhundert? Gibt es bereits Belege vom Wiener Babenberger Hof oder auch aus Aachen? Da gab es sogar schon ein Maibaum Kraxl damals.
[00:30:29] Speaker B: Echt jetzt?
[00:30:30] Speaker A: Ja, das kann man belegen.
[00:30:35] Speaker B: Darüber dürfen wir jetzt reden. In aller zu Recht, ja. Okay. So, das heißt erste Stufe Rechtssymbol, Rechtssymbol, Rechnssymbol.
[00:30:49] Speaker A: Zweite Stufe Fortentwicklung. Da sind wir jetzt ungefähr in der Zeit des jährigen Kriegs, werden Maibäume, da waren ja viele Söldner Haufen unterwegs etc. Werden Maibäume jetzt zu Ehren von hohen Offizieren oder Adeligen als Ehren. Symbol von einer Mannschaft aufgerichtet. Okay, jetzt das heißt, der Maibaum wird zum Ehrensymbol.
[00:31:16] Speaker B: Wow, jetzt wird es phallisch.
Naja, schon, wenn wir es freudianisch betrachten. Hallo.
[00:31:25] Speaker A: Also das mit dem Fall ist, da bin ich sehr vorsichtig, muss ich gestehen. Ich billige Ihnen zu Was soll ich machen?
Es haben zumindest Männermannschaften sozusagen das durchgeführt. Aber man muss da sehr aufpassen mit diesen. Also ich bin kein großer Freund dieser mythologischen Interpretation.
Wie gesagt, ich komme sicherheitshalber zur Stufe drei.
Stufe drei beginnt eigentlich sozusagen dann im Mitte des 19 Jahrhunderts, also ab das selbstständigen Ortsgemeinde, wo der Maibaum jetzt plötzlich zu einem Gemeinde oder Ortssymbol wird. Dieser neuen Kommune, die neue Selbstverwaltungsrechte hat.
Und da werden diese Maibäume zum Teil auf Dorfplätzen aufgestellt, zum Teil auch unter Umständen vor der Feuerwehr, wie auch immer. Wäre ganz praktisch. Oder auch als Ehrensymbol für besonders beliebte Wirte aufgestellt, also vor den Wirtshäusern sozusagen, wo man ja dann auch gleich den geselligen Teil abhalten kann. Natürlich für den Wirt auch ein Plus.
Beziehungsweise es gibt auch die Variante, dass Maibäume für sogenannte Dorfschöne, also dann in dem Fall kleine, also für junge Frauen, also kleiner, wesentlich kleinere Maibäume dann also nicht so 30 Meter Dinger sozusagen aufgestellt und geschmückt wurden von einer Gruppe Burschen oder vielleicht sogar von einem alleine in der Nacht vor dem Haus errichtet wurden.
[00:33:05] Speaker B: Die wurden statt der großen oder dazu
[00:33:09] Speaker A: plus der großen, die kamen noch dazu.
[00:33:12] Speaker B: Okay, gut, das werde ich jetzt gar nicht dokumentieren, warum das für die Frauen ein kleiner sein musste.
Was mich interessiert aber ist diese kleine Nebenfahrbahn, die sie jetzt eröffnet haben, nämlich dass sozusagen ab Stufe 3 auch eine Kommerzialisierung stattfand durch diese Empfehlungsaufgabe des Maibaums zu einem ganz bestimmten Wirt. Richtig Oder zu allen? Zu einem?
[00:33:41] Speaker A: Ja, zu einem. Also wie gesagt, das ist in vielen Orten gab es ja vielleicht auch nur ein größeres Wirtshaus, vielleicht gab es aber auch mehrere. Zum einen ist es halt ist es halt gestanden. Auf jeden Fall kommt es ab dem Moment dann auch zu den Ortsrivalitäten und Gemeinderivalitäten. Also die haben den scheineren, die haben den höheren, den schneiden wir ihnen um den dummen Hund an. Und dann fängt natürlich diese Bewachungsgeschichten und diese unterschiedlichen Überlieferungen an.
In der Gemeinde darf man erst den umschneiden, wenn er steht, in der anderen schon vorher, wenn er noch geschmückt wird und so weiter.
[00:34:22] Speaker B: Ja, es ist und bleibt aber auch in dieser, sage ich mal, Nebenentwicklung der Hauptgeschichte um diesen Baum herum ja immer etwas mit Gemeinschaft zu tun. Es wird die Gemeinschaft gefeiert, nicht wahr?
[00:34:40] Speaker A: Ja, natürlich, ich kann einen großen Maibaum, vor allem in Zeiten vor der Maschinisierung, ich meine, heute werden Maibäume unter Umständen auch von Autokrainern allein aufgestellt oder von weniger Männern mit Teiltraktorenhilfe. Also ich hab da schon alles Mögliche gesehen oder zumindest als Absicherung, Aber ich brauche in der Regel eine Gruppe, eine soziale, genau um diesen Baum eben aufzurichten.
[00:35:09] Speaker B: Aber das ist doch auffallend, dass so relativ simple Bräuche dann plötzlich so eine vereinende Kraft entwickeln, die dazu noch nicht so unglaublich bierernst, wie man früher gesagt hat, passiert, sondern da passiert ja sehr viel Unterhaltung drumherum.
Ist er Hetze, ist er Gaudi und trotzdem ist es ganz wichtig, dass er steht, der Baum.
[00:35:41] Speaker A: Naja, die Gaudi, die sollte eben gerade in der Phase des Aufstellens nicht ganz überhandnehmen, wenn er händisch aufgestellt wird, muss man sagen. Natürlich wird da auch Alkohol getrunken, aber es sollte sich noch in Maßen halten, dass es ja zum Teil ein stundenlanger Prozess ist und nicht ganz ohne. Das heißt, ab und zu gibt es da durchaus immer wieder leider auch tödliche Unfälle, weil eben, wie gesagt, irgendwo die Gewichtsbalance nicht ganz richtig eingeschätzt wird und so weiter und so fort.
Manche Gruppen haben deshalb das Maibaum oft aus diesem Grund danach eingestellt, aber in der Regel geht es gut aus.
Aber Bräuche sind ja soziale Praxen, sind Kulturgebärden, die im Prinzip von einer sozialen Gruppe sozusagen durchgeführt werden und Bräuche sind ja sozusagen regelmäßig Bestätigungen gemeinsamer Normen und Werte.
Und insofern ist das eben auch so ein Termin. Wir Menschen sind ja eigentlich schon als soziale Wesen angelegt, also insofern nicht als digital, wie soll man sagen, Einzelkar.
Und insofern ist es, glaube ich, ist das halt auch ein Termin, der vor allem das ein sonniger Vormittag ist, dann auch gleich zu einem Ort Frühshoppen sozusagen zusammenführt mit Musik etc.
In hoffentlich Frühlingssonne.
Und da kann dann natürlich gegen Nachmittag hin, wenn er dann steht, wird es danach immer lustiger und immer unter Umständen alkoholgeschwängerter, wie auch immer.
[00:37:32] Speaker B: Ja, solange sie danach nicht ins Auto steigen, soll mir das auch sehr recht sein.
Hier an dieser Stelle würde ich gern noch einmal den Versuch starten, mit Ihnen gemeinsam, Herr Doktor, zu versuchen, dass wir diese politische Dimension des ersten Mais, also die Solidarität in dieser scheinbar solidaritätsfernen, vorteilsnahen Gesellschaft wichtig ist, dass wir uns daran erinnern, dass wir ohne die Gemeinschaft alle nichts sind und auch jetzt den kultischen Maibaum Begriff nehmen. Und weil er uns so viel Freude bringt, weil wir so viel Spaß haben, wollen und sollen wir auch daran erinnert werden, dass dahinter auch ein Ruf zur Gemeinschaft und auch vielleicht sogar ein Kampfruf zur Gemeinschaft steht und diese beiden Sachen zusammenbringen. Jetzt bin ich rein theoretisch, oder?
[00:38:43] Speaker A: Ja, da müsste ich Ihnen jetzt ein bisschen widersprechen. Sie haben da jetzt manches gesagt, das kann ich unterschreiben.
Wie gesagt, soziale Gruppe, ja, da muss eine gewisse Solidarität sein, weil sonst kann dieses händische Aufstellen im Zusammenwirken, wenn da jeder kommandiert oder jeder macht, was er will, kann das nicht funktionieren mit dem kultischen. Das kann ich nicht unterschreiben. Wie gesagt, es geht da nicht um einen Phallus oder Fruchtbarkeitskult, um das geht es da nicht.
Was diese politische Instrumentalisierung jetzt betrifft, ich kenne natürlich auch Beispiele, dass auch sozialdemokratische Organisationen Maibäume aufstellen. Also es geht ja immer wieder um Symbolpolitik und sich eines gewissen Termin Wiens auch zu bemächtigen. Sozusagen. Das ist ja in der Geschichte des Maibaums, wenn wir in Österreich sozusagen durch die Jahrzehnte schauen, dann ist ja da auch schon einiges passiert, wie dieser 1. Mai dann vom Ständestaat umformatiert wurde, Staatsfeiertag mit Militärparaden und so weiter, Dann hat das NS System wieder den Tag umformatiert und ab 46 haben wir dann wieder eher die linke Besetzung sozusagen durch die Arbeiterbewegung dieses Termins. Also es haben oder stellen auch immer wieder sozialdemokratische oder Vorfeldorganisationen oder auch kommunistische Maibäume auf.
Da kommt es dann sozusagen zu einer Doppelsymbolik oder zu einer Verwechslung oder wie auch immer.
Es darf natürlich alles sein, man sollte nur kulturhistorisch korrekt bleiben, dass eben das Maibaum Aufstellen jetzt prinzipiell nichts mit dem Kampf der Arbeiterbewegung um den Acht Stunden
[00:40:37] Speaker B: Tag zu tun, a priori aber wir könnten es dazu machen, Wir brauchen es ja auch.
[00:40:44] Speaker A: Deshalb liegt Ihnen Also ich bin kein politischer Agitator, sondern ich bin Wissenschaftler und meine Aufgabe ist es, die nicht Äpfel und Birnen und jetzt nicht agitatorisch sowas aufzurufen, das war die alte Volkskunde immer, sondern eben die Dinge hoffentlich transparent und gut zu erklären, damit sie eben schön auseinandergehalten werden.
[00:41:09] Speaker B: Diesen Mantel können wir beide uns heute wirklich umhängen. Das haben wir gemacht und wir haben es sogar noch unterhaltsam geschaffen. Also insofern waren wir gut drauf. Aber jetzt interessiert mich noch ganz zum Schluss dieser Aspekt. Also wenn es schon möglich ist, dass in diesem Fall, den Sie geschildert haben, die Sozialdemokratie Österreich ihre Maibäume aufgestellt haben, dann sind wir doch nicht mehr so weit entfernt auch von einer kommerziellen Übernahme des Brauchtums. Das heißt, vielleicht wird sich ein besonders reicher Ort irgendwann mal den XXL Baum leisten, der dann gesponsert ist.
[00:41:51] Speaker A: Ja, das passiert ja jetzt schon zum Beispiel, dass in Salzburg eine sehr prominente Brauerei ein eigenes Maibaumaufstellen veranstaltet, auch nicht am 1. Mai, sondern meist am zweiten Sonntag im Mai, um auch speziell auch Publikum zu generieren.
[00:42:08] Speaker B: Okay, ich warne davor.
Ich warne davor, dass Maibäume irgendwann mal Flügel bekommen. Daher lasst sie uns doch unkommerziell und vielleicht auch in gewisser Weise unpolitisch halten, sage ich jetzt mal, ohne die politische Diskussion, die unter dem Maibaum stattfindet, stattfinden kann, sollte zu unterbinden. Sind Sie einverstanden?
[00:42:37] Speaker A: Ja, da bin ich durchaus einverstanden.
[00:42:40] Speaker B: Super. Ja, super. Und weil ihr ja Kulturhistoriker seid, ist ja sozusagen die Person, Perspektive Ihrer Arbeit ja immer eine, die zurückschaut. Das heißt, wenn ja nicht nur, nicht nur.
[00:43:00] Speaker A: Also wir schauen auch in die Zeit hinaus, nur haben wir leider oft zu wenig Zeit.
[00:43:07] Speaker B: Mo Wirklich? Also in der Freizeit wird nicht geschaut?
[00:43:12] Speaker A: Nein, in der Freizeit wird auch geschaut, aber das ist aber nicht gleich so ein Brauchen Thema, halt nur einmal im Jahr und ich kann natürlich sofort machen oder wie, Aber es hält sich trotzdem leider in Grenzen.
[00:43:25] Speaker B: OK. Also bei meiner Mission, dass wir den touristischen Aspekt ein wenig mehr bedrängen, werde ich auch auf dieses unser Gespräch verweisen, ohne dass Sie in irgendeiner Weise dafür oder dagegen sein müssen. Ist das okay?
[00:43:43] Speaker A: Ja, ja, absolut, absolut.
[00:43:45] Speaker B: Super. Dann sage ich Danke. Danke. Sie haben meinen Blick auf alle Maibäume, die ich für dahin sehen werde, in der Tat schon verändert.
Sie werden mir auch immer ein Lächeln aufs Gesicht bringen in Memoria, wenn ich so einen Mainbaum sehe und Ihnen wünsche ich das Gleiche.
[00:44:08] Speaker A: Ja, danke Herr Göbel. Sie zaubern mir auch immer wieder ein Lächeln auf Lippen.
[00:44:14] Speaker B: Das muss, sagt mein Gott. Also gut, Romeo, dann würde ich sagen, das war's für diesen unseren Podcast. Darf ich Sie denn noch mal ansprechen und in dem Podcast bitten, wenn es wieder um so ein Thema geht, weil ich finde, dass eure Arbeit zu wenig bedacht wird. Wir haben ja jetzt in der letzten Dreiviertelstunde gesehen, wie viel Spaß das machen kann und wie viel Information uns das bringt und gut im Herzen tut, weil wir alle Teile einer Gemeinschaft sind.
[00:44:47] Speaker A: Ja, absolut. Also Sie dürfen mich gerne wieder ansprechen, wenn es zeitlich möglich ist, stehe ich gern zur Verfügung.
[00:44:53] Speaker B: OK, dann danke ich grüßen wir Ihre Kolleginnen und Kollegen.
[00:44:57] Speaker A: Dankeschön, danke. Und Ihnen noch einen schönen Tag. Alles Liebe.
[00:45:01] Speaker B: Danke.
So, das war Dr. Michael Greger, Institutsleiter des Salzburger Landesinstituts für Volkskunde, aber weitaus mehr. Ein Mann, der mitten im Leben steht und unter viel erklären kann, hoffentlich auch noch viel erklären wird. Das war's. Ich wünsche Ihnen noch eine schöne Arbeits und Freizeitwoche. Danke für Ihre Aufmerksamkeit. Ciao, ciao.
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