#162 Prof. Dr. Trübel: Longevity und die Anti-Bullshit-Formel

October 04, 2026 • 00:56:54
#162 Prof. Dr. Trübel: Longevity und die Anti-Bullshit-Formel
MONTALK - Wissen, was Sache ist
#162 Prof. Dr. Trübel: Longevity und die Anti-Bullshit-Formel

Oct 04 2026 | 00:56:54

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Show Notes

Das Geschäft mit dem Alter hat sich zu einer Milliarden-Industrie entwickelt. Nahrungsergänzungsmittel, die uns angeblich länger leben lassen, erfreuen sich großer Beliebtheit. Prof. Dr. Hubert Trübel analysiert den Hype rund um Longevity und liefert in seinem Buch fundierte Strategien, wie wir unsere biologische Uhr zurückdrehen können.

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Episode Transcript

[00:00:00] Speaker A: Nimmst du Nahrungsergänzungsmittel? [00:00:02] Speaker B: Nein, nein, ich nehme auch keine. Ich Nein, nein, nein, nein. [00:00:07] Speaker A: Und warum nicht? [00:00:07] Speaker B: Weil ich genug Obst und Gemüse ess. [00:00:10] Speaker A: Ich glaube nicht, dass ich welche brauche aus gesundheitlichen Gründen. [00:00:14] Speaker C: Weißt ich brauch, was mir eh gut geht. [00:00:16] Speaker D: Ich glaube, ich brauche das nicht. [00:00:17] Speaker B: Ich seh aus gewogen, weil ich daran nicht glaube. Ich brauche keine Ich habe genug. Ich ernähre mich gesund und das passt für mich. [00:00:25] Speaker A: Nimmst du Nahrungsergänzungsmittel? Ja, und welche? [00:00:30] Speaker E: Also überhaupt so ein Vitaminmix. Ich nehme B, vor allem Vitamin D, K und Zink. [00:00:35] Speaker A: Und warum nimmst du Nahrungsergänzungsmittel? [00:00:38] Speaker E: Hauptsächlich weil ich vegan lebe und weil ich viel Sport mache und durch Schwitzen die Nährstoffe halt verloren gehen, damit man das ein bisschen kompensiert, das B wegen dem Fleisch, weil das nicht dabei ist und Vitamin D halt, weil das Wetter nicht unbedingt super ist. [00:00:50] Speaker A: Ja, und welche Magnesium Und warum? [00:00:55] Speaker B: Weil es für die Muskeln gesund ist und weil man besser schläft. Ja, schon. [00:00:58] Speaker A: Und welche A bis Z Und warum? [00:01:02] Speaker C: Ja, einfach will ich das probieren und [00:01:05] Speaker B: es funktioniert seit Jahren derzeit. [00:01:07] Speaker A: Ja, und warum? [00:01:09] Speaker C: Weil ich schwanger bin. OK, dann gratuliere. [00:01:12] Speaker B: Danke, [00:01:19] Speaker D: Montalk Wissen, was Sache ist. So, liebe Hörerinnen und Hörer, das war wirklich ein Gespräch, das sich gelohnt hat für mich auf jeden Fall und ich garantiere Ihnen auch für Sie. Ich habe ein tolles, tolles gespräch mit Prof. Dr. Med. Hubert Trübel geführt, seines Zeichens Kinderarzt und Pharmaforscher. Und er hat ein Buch geschrieben mit dem Titel Longevity Die Anti Bullshit Formel. Und darin beschreibt er alles, worauf wir achten sollen bei unseren Lebenszielen, wie wir unser Leben verlängern und besser machen können. Ich will gar nicht ins Detail gehen, ich sage Ihnen nur Longevity. Schauen Sie, dass Sie dieses Buch erwischen. Es ist im Kneipp Verlag erschienen und jetzt gleich zur Faktenbox, wie immer mit Bettina Schabschneider. Ich bin noch ganz begeistert und beseelt von diesem Gespräch. Viel Spaß. [00:02:32] Speaker F: Der Begriff Longevity stammt aus dem Lateinischen und bedeutet Langlebigkeit und beschäftigt sich mit der Frage, wie Menschen gesund, aktiv und selbstbestimmt älter werden. Der Begriff Healthspan bezeichnet die Anzahl der gesunden Lebensjahre Im Gegensatz dazu bezeichnet der Begriff Lifespan die gesamte Lebensdauer eines Organismus. Nahrungsergänzungsmittel sollen die Gesundheit positiv beeinflussen und haben sich zu einem militärischen Milliardenmarkt entwickelt. Der Gesamtumsatz für sogenannte Nahrungsergänzungsmittel liegt in Deutschland pro Jahr bei 4 Milliarden Euro. Daten aus den USA zeigen, dass rund 73 Prozent der Anwender diese Supplemente nicht auf ärztlichen Rat nehmen. Die Deutsche Longevity Gesellschaft und Dr. Med. Hubert Trübel in seinem Buch Longevity Die Anti Bullshit Formel. [00:03:21] Speaker D: Guten Tag, Herr Professor. [00:03:23] Speaker C: Hallo, guten Tag. [00:03:24] Speaker D: Pharmaforscher ihres Zeichens, Prof. Dr. Med. Huber Trübel, sind Pharmaforscher eigentlich Menschen, die für mittendrin oder gegen die Pharma forschen? [00:03:46] Speaker C: Also bei mir war das sozusagen ein absoluter Zufall. Ich habe ganz normal als Kinderarzt gearbeitet und ich habe in den USA eine Weiterbildung gemacht. Und irgendwann war ich mit einem Freund auf einem Kongress. Also dieser Freund war mit mir als Oberarzt tätig und dann sagte der Freund heute Abend gehen wir mit Leuten von der Pharmafirma zum Essen. Ich kenne da jemanden. Die haben uns eingeladen. Ich habe gesagt, top, das passt super. Dann haben wir ein gutes Essen und uns die Kosten gespart. Perfektes Setting. Und dann war das aber ein ganz interessantes, angeregtes Gespräch. Und ich habe von einer Idee erzählt, die ich von meinem Forschungsaufenthalt in USA mitgebracht hatte. Also ich war ein paar Jahre, habe ich in den USA mit meiner Familie gelebt und habe dort geforscht und die Pharma Leute fanden das so interessant, dass ein paar Tage später bei mir das Telefon klingelte und dann jemand von der Forschung sich gemeldet hat und hat Ja, die Leute von dem Kongress, die haben uns das weitergegeben und wir würden uns gerne mal mit ihnen treffen. Dann kam die vorbei, wir haben Kaffee getrunken und so ging dann ein Projekt los. Das ging ganz langsam los und lief dann Jahr etwa, wo wir ein gemeinsames Projekt sozusagen ersonnen haben, daran gearbeitet haben. Ich habe Dafür wurde ich nicht bezahlt oder so. Das war rein. Ich dachte, vielleicht kommt ein cooles Paper raus, also Publikation. Und am Ende sozusagen kam irgendwann dann Donnerstag, ich weiß das noch sozusagen wie heute, kam ein Anruf bei mir in der Klinik und dann war da jemand von der Bayer AG dran und die fragten, ob ich am Sonntag Zeit hätte für ein Frühstück beim Forschungsleiter und beim Forschungsleiter privat zu Hause zum Frühstück eingeladen und das war irgendwie lustig und das kam so ziemlich unerwartet. Und da, ohne dass ich jemals eine Bewerbung hingeschickt hätte oder sowas, kam dann der Vorschlag, haben Sie eigentlich mal überlegt, die Fronten zu wechseln. Und so bin ich dann quasi aus der klinischen Versorgung in die Pharmaforschung gewechselt. Also bin sozusagen von den Empfängern von Medikamenten zu den Herstellern von Medikamenten, habe die Seite da gewechselt, musste eigentlich noch mal ganz neu mein Metier lernen, weil das waren alles Dinge, die ich nicht kannte oder die ich zwar sozusagen, wo ich eine vage Vorstellung von hatte, aber das war ein neuer Beruf, den ich dann erlernt habe. Und das war im Nachhinein betrachtet super cool, weil damit also dieses Lernen, dieses lebenslange Lernen fand ich schon immer cool. Und da nochmal neuen Beruf zu lernen mit Anfang 40, das hat richtig Spaß gemacht. [00:06:25] Speaker D: Nun heißt es ja auch, dass Forschenden es eigentlich vollkommen egal ist, wo ihr Funding herkommt. Sie wollen einfach nur forschen. Und wenn ich Ihnen da jetzt so zuhöre, scheint das wirklich auch bei Ihnen der Fall gewesen zu sein. Sie wollten forschen, Sie waren begeistert, einmal aus einer anderen Perspektive zu forschen und jetzt nehme ich mal ein böses. Das Unheil kommt ja dann immer erst später, wenn also zum Beispiel die eigenen Ergebnisse in irgendeiner Weise kommerzialisiert werden müssen. Das müssen wir auch immer wieder betonen, dass gerade in Europa, die ja noch viel, viel strenger sind, bevor sie etwas akkreditieren, was dann OTC oder per Rezept an die Menschen weitergegeben wird, dann wirklich auch akzeptieren und unterstützen. Das geht in die Milliarden in der Pharmaindustrie. Also dafür haben wir ja alle auch genügend Verständnis. Wo hört denn eigentlich das Verständnis des Forschenden auf, wenn er mitbekommt, dass vielleicht nicht er oder sie persönlich, aber doch seines ihresgleichen plötzlich vor einen Karren gespannt werden, mit dem sie nicht einverstanden sind? [00:08:00] Speaker C: Ja, also das hört wahrscheinlich, also ich sag mal, wo es für mich aufhört, für mich hört es dort auf, wo es sozusagen medizinisch keinen Sinn mehr macht. Und keinen Sinn mehr macht es vielleicht, weil es schon ganz viel Dinge gibt, die eigentlich ausreichend gut funktionieren und man sagen muss, naja, wird da vielleicht noch mal sozusagen das nächste MeToo Präparat generiert, das die Menschheit vielleicht doch nicht braucht. Es hört auch dort auf, wo sozusagen biologische Phänomene, die eigentlich normal sind, medikalisiert werden, also wo man über Dinge nachdenkt und diese behandeln möchte, die vielleicht ja gar nicht notwendigerweise behandelt werden müssen. Und was ist da zum Beispiel? Was könnte man da nennen? Es gibt ja sozusagen bei biologischen Phänomenen wie der Menopause Erscheinungen, die möglicherweise für manche Frauen normal sind oder gar nicht bemerkt werden, aber für andere Frauen dann auch zum Problem werden. Und da ist so ein Graubereich, wo man gut aufpassen muss, ob man jetzt irgendwas medikalisiert oder ob man wirklich sozusagen ein Symptom behandelt, was einen sogenannten unmet medical need, also irgendwas, wo es noch nichts für gibt und wo die Menschen, wenn sie was hätten, das auch dankbar nutzen würden und ihr Leben damit besser würde. Also dass man diesen richtigen Punkt findet. Und wenn man jetzt so diesen Schwenker zu diesem Longevity Thema macht, da war es bei mir so, dass ich von einem Risiko Kapitalgeber angefunkt wurde, angesprochen wurde, die sucht jemand, der sozusagen Pharmawelt versteht, der versteht, wie Evidenz generiert wird, wie Medikamente gebaut, designt werden, wie man da nachdenkt, um die dann, wie Sie schon sagten, auch zuzulassen und in den Markt zu bringen. Das wollten die sozusagen, da suchten die jemand. Und für das Thema Longevity, so war die Ansprache. Und am Ende hat sich aber herausgestellt, es ging eigentlich um Supplements, also um Nahrungsergänzungsmittel und wie kann man Nahrungsergänzungsmittel einen Wert zuschreiben, den diese vielleicht gar nicht haben, weil sie wurden nie in dieser Richtung getestet oder sie wurden getestet und es kam aber nichts entsprechendes raus. Vielleicht war der Test falsch, so der Risikokapitalfonds. Also lange Rede, kurzer Sinn, Sie suchten eigentlich jemanden, der wissenschaftlichen Anstrich an Nahrungsergänzungsmittel dran packt. Und das wäre also so eine weitere Kategorie, wo ich sagen würde und wo ich dann auch gesagt Das macht eigentlich keinen Sinn für mich jedenfalls nicht, mich da in dieses Feld hineinzugeben. Das war so 2021, aber ich habe dann so über dieses Thema Longevity durch die Brille eines Pharmaforschers nachgedacht und habe dieses Thema evidenzbasierte Medizin, also wie kommt man eigentlich zur Evidenz und wo passt die vielleicht auch auf dieses Feld Longevity angewendet habe, immer wieder gesammelt habe so eine ganze Box von Artikeln und irgendwann habe ich so gedacht, jetzt muss ich das mal in irgendeine Form bringen, die sozusagen für andere nutzbar ist. Und so kam die Idee zu dem Buch zustande. [00:11:13] Speaker D: Ja, also Longevity und das sieht man am Einband in Leuchtfarben, gelb grün, also wirklich, wirklich nicht zu übersehen, aber drunter dann in Trauerschwarz die Anti Bullshit Formel. Und da habe ich mir schon Wow, mutig, der Herr Professor, weil Bullshit, da geht nichts dran vorbei, ist ein Schimpfwort. Bullshitter ist ein Schimpfwort. Und ich habe mich dann mal so ein wenig schlau gemacht. Ich glaube, die größte und folgenreichste bullshitterin der letzten 10 Jahre war diese Dr. Elizabeth Holmes mit ihrer Firma Theranos, die behauptet hat, dass wir alle jetzt nur einen Tropfen Blut an ihre Firma schicken müssen mit einem Haufen Geld und sie uns dann alle sagen kann, woran wir erkranken können, wahrscheinlich werden, wie wir dagegen angehen können. Also wirklich Bullshit von A bis Z ist dann 2019 wenn ich mich richtig erinnere, auch vor Gericht gestellt worden. Also auch mal ein Hoch auch auf das mitunter seltsam erscheinende amerikanische Judikatursystem. Also wenn Sie mal jemanden erwischen und die sitzt seither und ich glaube, wird dann frühestens 2030 entlassen. Nichtsdestotrotz hat sie in der Zwischenzeit hunderte Millionen verdient mit diesem Bullshit. Und da habe ich mir gedacht, ja, wir brauchen eigentlich noch mehr Anti Bullshit Formeln. Ganz kurz, was ist denn Ihre und warum sind wir gut beraten, Herr Professor Trübel, Ihnen zu folgen? [00:13:26] Speaker C: Ja, also wir leben ja in so einer postfaktischen Zeit. Der amerikanische Präsident macht Äußerungen, die durch keinerlei Fakten belegt sind, zumindest zum Teil diese ganze digitale Medien Bubble. Da werden Dinge verbreitet, wo einfach gar keine Evidenz da ist. Und deshalb habe ich sozusagen alle meine Aussagen, die ich im Buch tätige, durch Evidenz belegt. Also man kann als Supplement ein Dokument herunterladen, wo die ganzen Aussagen, die ich tätige, in Artikeln belegt sind, die man dann auch sich besorgen kann und nachlesen kann. Also das ist sozusagen ein Grundprinzip von gutem Journalismus und faktischer Kommunikation. Ich liefere Belege und diese Belege sind sozusagen dann für andere einsehbar nutzbar. Es ist kein Geheimwissen, es ist nicht erfunden. Meinen Doktoranden sage ich, wir stehen immer auf den Schultern von Giganten. Also man muss diese Menschen, die vor uns gelebt haben oder die Informationen, die Forschungsergebnisse generiert haben, die muss man wertschätzen, respektieren und auch korrekt zitieren, weil das ist sozusagen das Fundament, auf dem wir stehen. Und im Grunde mit diesem Prinzip, mit diesem Prinzip bin ich dann an die Erstellung des Buches herangegangen. Das ist die eine Seite. Die andere Seite ist, um vielleicht auch noch mal eine Lanze für die Pharmaindustrie zu brechen, die Pharmaindustrie oder die Produkte, die die Pharmaindustrie an den Markt bringt, werden ja einer Prüfung durch die Aufsichtsbehörden unterzogen. Die nennt man regulatorische Behörden. In Deutschland ist das das BfArM, in USA ist es die FDA, da gibt es also verschiedene Begriffe, aber das ist immer das gleiche Prinzip. Diese Behörden gucken sich an, sind die Studienergebnisse statistisch so signifikant und ist die Effektgröße so groß, dass da ein medizinisch relevanter Nutzen generiert wird einerseits und ist es sicher genug, dass man in der Gruppe, die sozusagen mit einem neuen MED, der geholfen werden soll, dass man dieses dann auch zur Anwendung bringt. Da gibt es unterschiedliche Risikogruppen, Frauen, Kinder, Schwangere und so weiter. Also da gibt es ganz viele Kriterien, die man beachten muss. Und am Ende ist es ein hochkomplexer, aber immer wieder wissenschaftlich ausgerichteter Prozess, bis so ein Produkt an den Markt kommt. Und das ist so die Denke in der Pharmawelt, ich muss für alles einen Report schreiben. Dieser Report wird so abgelegt, dass wenn die Behörde morgen durch die Tür kommt und die kommen unangekündigt, dann muss jemand in der Lage sein, diesen Report zu finden. Da gibt es ein Filing System. Und wenn es eine Nebenwirkung in der klinischen Studie gibt, dann wird eine klinische Studie, je nachdem, was das für eine Nebenwirkung war, entweder gestoppt oder es werden bestimmte Beobachtungsmassnahmen eingeleitet. Also lange Rede, kurzer Sinn, es ist ein sehr diffiziler und wissenschaftlich fundierter Prozess, mit dem so ein Medikament sozusagen höchster, der englische Begriff ist scrutiny, das heißt so viel wie, naja, also argwöhnisch wird da hingeguckt und versucht sozusagen immer mit sehr ausgeprägtem mit einer Lupe quasi zu finden. Ist das wirklich so, wie die Pharma Leute das hier behaupten oder liegt da vielleicht irgendwie Bullshit Aussage vor? Postfaktisch geht also in diesem Kontext nicht einerseits. Auf der anderen Seite sind aber in unserem täglichen Geschehen, ob Sie in die sozialen Medien gucken oder in die Nachrichten gucken, wird ständig postfaktisch argumentiert, also ohne dass die entsprechenden Fakten mitgeliefert werden. Und deshalb gibt es ja jetzt auch diese Faktenchecker, die versuchen, Aussagen, die bestimmte Parteien dann auch machen, immer wieder zu hinterfragen und zu schauen, gibt es denn wirklich dieses, was da behauptet wurde, Hat es so stattgefunden und ist die Faktenlage so, wie sie ist? Und das war so mein Ansatz. Was gibt es eigentlich für Fakten, die jetzt sozusagen im Thema Longevity Sinn machen, beachtet zu werden? Oder wo gibt es einfach auch Aussagen, wo diese Fakten komplett nicht vorhanden sind und fehlen oder teilweise auch falsch dargestellt werden? [00:18:01] Speaker D: Ja, ich habe in Ihrem Buch kein einziges Beispiel gefunden, das sozusagen im negativen Fall lebensbedrohlich wäre, was so eine Behauptung wie zum Beispiel von Frau Holmes damals und so weiter getätigt wurde. Wenn man dem folgt, kann es Gesundheit und Leben bedrohen. Nichtsdestotrotz ist der Ton, der durch Ihr ganzes Buch geht, immer warnend, drängend, unser ganz persönliches Urteilsvermögen ansprechend. Wir sollen doch um Gottes Willen nicht alles glauben, so wie Sie uns das jetzt erklärt haben. Und nicht nur das, sondern Sie liefern ja auch, und darum bin ich sehr dankbar, Alternativen, so wie unsere Großeltern gesagt Was nimmst du da immer für Tabletten, Oma Das ist Vitamin C, ist ein Apfel. Trotzdem, wir nehmen lieber Trajets als Äpfel. Mein Leben hat Veränderungen genommen als mir mal nicht einmal mir persönlich, sondern in einer Diskussion über dieses Thema ein Wissenschaftler gemeint Wenn Sie verspüren den Drang nach irgendeinem Lebensmittel, sauer oder süß, dann bedeutet das in den allermeisten Fällen, dass Ihr Körper das jetzt gerade wirklich braucht Und arbeiten Sie nicht dagegen. Und wenn Sie keine Brokkoli mögen, ich zeige jetzt auf, dann müssen Sie nicht. Sie können trotzdem alt werden, weil der Körper nicht brokologisiert wurde irgendwann. Stimmt das? [00:20:12] Speaker C: Absolut. Stimmt. [00:20:14] Speaker D: Super. Ja, [00:20:18] Speaker C: das stimmt. Ehrlicherweise muss man ja sagen, dass, also Sie kennen das vielleicht, den Placebo Begriff, den Erwartungseffekt Also der Überbegriff ist der Erwartungseffekt und wir Menschen sind durch diesen Erwartungseffekt sehr stark beeinflussbar. Man hat herausgefunden, dass 60 Prozent des Effektes von Schmerzmedikamenten durch den Placebo Effekt ausgelöst werden. Das heißt, wie die Pille aussieht, wie das Glas bevor oder die Verpackung ist und so. Das macht alles, das macht Effekte, den Placebo Effekt, dann gibt es auch den Nocebo Effekt, also gibt es auch negative mögliche Effekte. Aber man muss immer sozusagen mitdenken, dass wir nicht nur eine Hülle sind, in der biologische Prozesse stattfinden, sondern da sitzt auch ein Gehirn, das wird gefüttert mit Inputs und diese Inputs und dieses Gehirn führen dazu, dass biologische Effekte modifiziert werden, Also dass Schmerzmittel eben stärker wirken, wenn die eine bestimmte Farbe haben und wenn die in einer bestimmten Verpackung sind und wenn die vielleicht auch beworben werden. Und insofern, das muss man immer mitdenken. Aber dafür gibt es eben in der Wissenschaft randomisierte, verblindete und kontrollierte Studien, um diesen sozusagen verbleibenden Effekt rauszumitteln und rauszurechnen, könnte man sagen, der eben durch das Pharmakon bedingt ist oder durch die Intervention, was auch immer jetzt man testen möchte. Und deshalb ist es so wichtig, dass man auch diese sozusagen, das beschreibe ich im Buch auch, wie sowas funktioniert und wann die ersten randomisierten Studien gemacht wurden, dass man sozusagen diese Methodik, könnte man das nennen, anwendet, um eben zu Wahrheiten zu kommen oder sich der Wahrheit zumindest zu nähern. Eine absolute Wahrheit gibt es in der Medizin oder auch in der Wissenschaft eigentlich nie, weil es könnte ja immer noch dazu jemand was Neues rausfinden und eine neue Erkenntnis tätigen und damit ergibt sich ein neues Level von wissenschaftlicher Erkenntnis und damit auch wieder neue Wahrheiten. Deshalb ist sozusagen Wissenschaft auch in diesem postfaktischen Zeitalter schwer zu vermitteln, weil wir nie dieses Endstadium erreicht von absoluter Wahrheit, die für immer und ewig unumstößlich ist. [00:22:50] Speaker D: Ja, ich möchte gerne mit Ihnen darüber sprechen, warum wir alle so gerne glauben. Und ich bin deshalb so gespannt, weil ich gelesen habe auch und vor allem in Ihrem Buch, dass Sie sich ja doch zu Beginn Ihrer Karriere auch sehr intensiv mit Homöopathie beschäftigt haben, eine, ja ich sag's jetzt einfach mal, sogenannte Wissenschaft, die schlichtweg wirklich und komplett auf Glauben aufgebaut ist. Viele Ihrer Kollegen, wenn nicht gar alle sagen, das ist ein Schmäh, aber konzedieren auch, dass er mitunter funktioniert durch diese persönliche Glaubenskraft. Warum glauben wir eigentlich so gern gegen diesen Glauben? Haben Sie ja auch jetzt hier in Ihrem großartigen Buch angeschrieben. Warum? [00:23:55] Speaker C: Warum glauben wir so gerne? Interessant. Also mein Weg zur Homöopathie und dann auch wieder davon weg, der war geprägt von meinem Elternhaus, wo eben Homöopathie Werte wurde und mein Vater, der gerne auch Medizin studiert hätte, was aber in der damaligen Zeit, da haben wir sie doch die Triebfeder, der war begeistert davon. So bin ich dann auch sozialisiert worden als Kind als Mitglied in meiner Kernfamilie. Aber als ich sozusagen mich von der Kernfamilie gelöst hatte und auf einmal in so einem wissenschaftlichen, in so einer wissenschaftlichen Umgebung war und sozusagen im Labor versucht habe, das nachzustellen, dann ist dieses Konzept in meinen Händen zerronnen und es ist nichts übrig geblieben. Ich habe dann auch versucht, Literatur zu finden und also es war einfach so ein Erkenntnisprozess, der wahrscheinlich Jahrzehnte gedauert hat, bis ich an dem Punkt angekommen war, wo ich gesagt ne, das muss ich verlassen, Das ist irgendwie Humbug. Da ist sozusagen nichts übrig, wo ich mich festhalten kann, wo ich sagen ach, das funktioniert ja wirklich, jetzt habe ich es gefunden, da hat es geklappt. So ist es. Also das hat Jahrzehnte gedauert, glaube ich. [00:25:19] Speaker D: Ja. Mittlerweile lässt man ja die Homöopathie friedlich existieren. Es gibt kaum noch wirklich große Gegenmaßnahmen von Wissenschaftlerinnen, die dagegen angehen, weil sie eben sich sagen wahrscheinlich ja, hüft's nichts, Schorz nix, wie man bei uns in Österreich sagt, sei's drum. Auch ich bin direkt davon betroffen. Meine Frau hat so einen ganzen Malkasten mit Kügelchen und ich tu hoffentlich hört sie das jetzt nicht. Ich tu ihr dann ab und zu den Gefallen und nehme die auch und ach nee, guck mal jetzt doch, ah, jetzt geht es mir schon viel besser. Besser aber und jetzt, wenn ich mich das Aussagen höre, ach, jetzt geht es mir schon viel besser, sind wir ja wieder bei dem Placebo Effekt, den Sie vorher beschrieben haben. Also das heißt, wir haben schon eine Power in uns. [00:26:32] Speaker C: Absolut. [00:26:34] Speaker D: Die uns selbst manipulieren lässt. [00:26:38] Speaker C: Ja, manipulieren, das ist so eine negative Sicht auf die Dinge, aber man kann diesen Erwartungseffekt also da gehört der Placebo Effekt dazu. Man kann den auch sehr positiv nutzen. Also es gibt auf der Homepage von meiner Krankenversicherung einen Link zu Wupper, das schreibt sich WOOP, steht für Wunsch, Outcome, Obstacle und Plan, also sozusagen für einen Prozess, wo ich einen Wunsch verspüre, ein bestimmtes Ergebnis zu erreichen und ich kann mir dieses visualisieren. Autosuggestion nennt man das. Und eine Frau Oettinger, die ist Psychologin, arbeitet in Hamburg und New York, die hat herausgefunden, wenn ich zusätzlich noch sozusagen von meinem geistigen Auge mir visualisiere, welche Hindernisse auf diese könnten auf dem Weg dorthin und dann einen Plan entwickle, dann führt es dazu, dass ich signifikant erfolgreicher bin als jemand, der sozusagen den gleichen Wunsch hat, aber nicht durch diesen Prozess, der selbst Autosuggestion mit Darstellung oder Visualisierung eines Hindernisses und der Plangenerierung gegangen ist. Und Österreich, Abfahrt Nation, Sie sehen am Start häufig, wie die Sportler sozusagen am Start stehen, bevor die sich auf die steile Piste stürzen und die Piste so mit geschlossenen Augen durchgehen und dieses Abfahrtsrennen, das sie gleich durchfahren werden und hoffentlich überleben werden, sozusagen vor ihrem geistigen Auge schon mal vorwegnehmen. Und da gibt es sehr interessante Untersuchungen. Die Leute, die das machen, sind signifikant erfolgreicher als Menschen, die das eben nicht machen. Also da gibt es auch eine positive Sicht auf diesen Erwartungseffekt, den kann man auch sozusagen in seinem täglichen Arbeiten und Handeln nutzen. [00:28:35] Speaker D: Bevor ich auf dieses Phänomen, das Sie oft beschreiben in Ihrem Buch, nämlich den Unterschied zwischen dem numerischen Alter und dem biologischen, eingehe, da möchte ich noch mal was kurz zu diesem Power of the Mind haben wir Ihr Buch auch so zu verstehen, dass wir das, wonach wir suchen, doch tunlichst auch selbst hinterfragen sollen, vor allem angesichts der Alternativen, die Sie uns ja in quasi jedem Kapitel nicht nur lang beschreiben, sondern am Ende des Kapitels auch immer in einem Roundup noch mal in Erinnerung rufen, dass wir selbst uns ja früher, hätte man gesagt, an der Kandare recht preußisch nehmen und uns selbst Einhalt gebieten in diesem unseren Glauben, für den wir immer noch keine Erklärung gefunden haben, dass wir eben nicht alles glauben, sondern vielleicht einmal mit den faktenbasierten Geschichten anfangen, die wir ja glauben sollen unbedingt und von dort weg dann, wenn wir wollen, auf das, was jetzt da alles so postuliert wird. [00:30:07] Speaker C: Ja, Glauben hat ja immer auch sowas Finales und die Faktenlage kann sich ändern. In der Wissenschaft ist das nicht unüblich, dass neue Fakten dazukommen und Dinge, die sozusagen als als Faktum feststanden, eigentlich neu gedacht werden müssen. Insofern glaube ich, ist es ein fortlaufender Prozess, dass wir uns immer wieder hinterfragen, unsere Annahmen sozusagen in Frage stellen und versuchen, die im Moment beste Evidenz zu generieren. Leider ist es aber jetzt so, dass wenn man auf der Suche ist nach Evidenz, nach Fakten, wird man überschwemmt von Informationen und es fällt zunehmend schwer, die Spreu vom Weizen zu trennen. Also herauszufind was sind eigentlich Belege, denen ich glauben kann, nach denen ich mein Handeln ausrichten kann und welche Belege oder welche Geschichten werden als Belege dargestellt und sind aber in Wirklichkeit nur Geschichten. Und hier muss man gut unterscheiden. Und da gebe ich so ein paar Hinweise, wie man das mit Bordmitteln sozusagen jeden Tag machen und tun kann, um sozusagen in diesem Ozean von Informationen auf Kurs zu bleiben und sich nicht zu verlieren auf der Reise, auf der man da unterwegs ist. [00:31:26] Speaker D: Im Namen aller Leserinnen und Leser, vielen Dank dafür, das war wirklich höchste Zeit und ganz, ganz wichtig, aus berufenem Munde das einmal schwarz auf weiß, wenn man so will, zu hören. So, jetzt zu unseren unterschiedlichen Alter hat gar keinen Plural, komme ich gerade drauf. Alter ist Alter. Dennoch, Sie sagen, es gibt das faktische Alter geboren, dann und dann und es gibt das biologische Alter. Ich bilde mir ein, dass ich in irgendeinem Beitrag von Ihnen online gelesen oder gehört habe, dass Sie sagen ich bin 6 und ich weiß nicht, wie alt sind Sie jetzt darf ich Fragen, ich bin 62, ich bin 62, mein biologisches Alter ist aber 52, [00:32:15] Speaker C: das sagt mir meine Uhr, meine Sportuhr, OK, sehen Sie genau. [00:32:21] Speaker D: Und ich habe mir gedacht, holla, das ist aber das in einem Satz zu sagen, das habe ich so noch nie gesehen. Und mir ist klar geworden, dass es zumindest eine, sage ich mal, eine Erschütterung ist zu hö Glaub nicht alles, was in deiner Geburtsurkunde steht, glaube dem, wie du dich fühlst. Und das erklären Sie uns ja auch in Ihrem Buch, dass wir Grund genug haben, dieses biologische Alter, wie Sie es nennen, zu glauben und zu unterfüttern mit einem und jetzt kommt wieder der Placebo Effekt soll sein, dass uns das gut tut. Ich bin zehn Jahre jünger, als da steht, also fühle ich mich so, also gehe ich auch so durchs Leben. Also bin ich das auch. Genial. Genial. [00:33:22] Speaker C: Es gibt Studien, es gibt schöne Studien, die zeigen, dass Menschen, die sich sozusagen wieder vor ihrem geistigen Auge als jünger erkennen, als jünger betrachten, deutlich länger gesund leben können. Also diese Selbstwahrnehmung, diese Autosuggestion oder dieser Erwartungseffekt, der es in jedweder Richtung Man kann es natürlich auch umgekehrt machen. Fühle ich mich alt, sehe ich mich alt, sehe ich mich vorgealtert, dann geht es natürlich auch nach hinten los. Das geht in beide Richtungen. Ich beschreibe in meinem Buch unser jähriges Abitreffen, und das war wirklich so, wie ich das in einem Buch schreibe, Die Leute, die es zum Abitreffen geschafft haben, die hätte man in der Reihung aufstellen können von biologisch jünger zu biologisch älter. Der Älteste, biologisch betrachtet Älteste, der hat aus dem Pflegeheim angerufen, weil der hat sein ganzes Leben lang geraucht und hat jetzt mittlerweile eine schwere COPD, wird nachts beatmet und war nur per Video zugeschaltet. Auf der anderen Seite waren Leute, als ich die in den Arm genommen habe und so, da hat man richtig gemerkt, okay, da ist noch Spannung da, wie die gehen, wie die so elastisch sich bewegen. Also in diesem Spektrum der Menschen konnte man dieses biologische Alter, was ja sozusagen wissenschaftlich sehr schwer zu fassen ist, und ich kann gleich noch mal erzählen, wie man sich dem nähern kann, das konnte man aber sozusagen intuitiv erfassen. Da gibt es welche, die sehen biologisch viel jünger aus als ihr chronologisches Alter, war ja eine Alterskohorte und welche, die sehen sehr viel älter aus und müssen wahrscheinlich auch damit rechnen, früher früher abtreten zu müssen. Wie geht man bei diesem biologischen Alter vor? Konzeptionell? Also man beobachtet einen bestimmten Biomarker, Zum Beispiel könnte man sagen, man lässt alle Leute Liegestütze machen und dann gibt es da in einer gleichaltrigen Gruppe gibt es welche, die können noch ganz viele Liegestütze machen und manche, die haben vielleicht schon was an der Schulter, die können gar nicht mehr oder ganz wenige nur machen und würde dann sozusagen da eine Kennlinie durchlegen. Und wenn man das bei ganz vielen Alterskohorten macht und immer wieder diese Kennlinien durchlegt, dann kann Man okay, ein Mitte jähriger im Durchschnitt kann ich sagen, 50 Liegestützen machen und ein jähriger im Schnitt kann 30 Liegestützen machen Und kann dann sozusagen eine Beziehung aufstellen zwischen Lebensalter und der Fähigkeit Liegestützen zu machen. Und dann kann man okay, Wenn jemand mit 80 es schaff 30 Liegestützen zu machen, dann ist er zwar chronologisch 80, aber biologisch in der Lage sozusagen zu handeln wie ein Jähriger. Und für den Biomarker Liegestütz ist er dann ein biologisches Alter von 60, das sozusagen zum Konzept. Aber man erkennt natürlich, dass das alles nur mit Limitationen versehen ist, denn das Leben ist sehr viel komplexer und hat sehr viel mehr Facetten als nur die Fähigkeit Liegestützen zu machen. Vielleicht kann der besser laufen als Also vielleicht würde diese Beziehung bei Laufen dann für diesen Jährigen schon gar nicht mehr gelten, weil er irgendwas am Knie hat oder so. Also man muss ja so ein bisschen mit, also muss die Kirche so ein bisschen im Dorf lassen, Aber so im Ganzen betrachtet kann man aus bestimmten Biomarkern und körperlichen Fähigkeiten eine Beziehung zu einem biologischen Alter herstellen. [00:36:58] Speaker D: Gut, bevor ich es vergesse, wir haben in der Hinsicht auch eine Instagram Umfrage gemacht, In der gefragt Nimmst du Vitaminpräparate, um mal ganz allgemein zu bleiben? Und das hält sich ziemlich die balance. Ja, sagten 54 Prozent, nein, 46 Prozent. Jetzt wissen wir natürlich nicht, ob beide wahrheitsgetreu geantwortet haben, aber spiegelt das ungefähr auch Ihre Erfahrung wieder? [00:37:36] Speaker C: So eine Umfrage habe ich noch nie gemacht. Also insofern kann ich die Frage gar nicht so richtig beantworten. Ich kann nur sozusagen die Studienlage berichten und bei Menschen, die nicht schwanger sind, nicht sehr junge Säuglinge sind, die ansonsten gesund sind, hat man keine positiven Effekte gefunden durch die Einnahme von Multivitaminpräparaten. Das kann man konstatieren. Da gibt es sozusagen große verblindete Studien, wo man Placebo versus Vitaminpräparat sozusagen zufällig verteilt hat und so. Und dann hat man noch Meta Analysen, also Studien über verschiedene Studien gemacht, kommt immer nichts raus einerseits. Andererseits muss man sagen, wenn man schwanger ist oder wenn man frisch geboren wurde oder wenn man Säugling im ersten Lebensjahr ist, dann da gibt es schon Studien, die aufzeigen, okay, eine Schwangere, die sollte Folsäure nehmen, weil dann ist einfach die Häufigkeit von Neuralrohrdefekten beim neugeborenen Kind. Deutlich reduziert oder signifikant und relevant reduziert. Ein kleines Kind, was gerade zur Welt kam, braucht zwei Tropfen Vitamin K, weil das die Blutgerinnungsfaktorenbildung fördert. Und man weiß, wenn man das nicht macht, in Ländern, wo es nicht passiert, gibt es eben mehr Blutung bei diesen kleinen Kindern. Und deshalb gibt man in Deutschland, in Österreich diese zwei bis vier Tropfen Vitamin K. Genauso für Vitamin D. Um Rachitis vorzubeugen, brauchen Kinder, insbesondere wenn sie im ersten Lebensjahr noch nicht so in der Sonne sind und manchmal auch ein bisschen länger, wenn sie gerade so im Winter geboren wurden und dann den zweiten Winter schon wieder am Ende sozusagen von der ersten Lebensphase vom ersten Lebensjahr durchlaufen, dann brauchen die Vitamin D Supplementierung. Aber das sind Randgruppen und die große Mehrheit von uns, wenn wir gesund sind, hat keinen Benefit davon, Multivitaminpräparate einzunehmen. [00:39:34] Speaker D: Wieder an dieser Stelle der Hinweis, dass wir in einem guten System leben, denn diese Präparate, von denen Sie gerade gesprochen haben, sind ja alle durch diese Hölle des Argwohns, sage ich mal, von institutioneller Seite gegangen, um sie dann letztlich freizugeben, gerade für unsere Säuglinge. Also das ist, das sollen wir nie vergessen, bei allem persönlichen und allgemeinen Argwohn schon etwas, auf das wir uns verlassen können, bis auf weiteres. Ich hab da etwas gefunden, auch in Ihrem Buch, ich wusste die Details nicht, aber ich habe von dieser Geschichte schon mal gehört. Skorbut war im 18. Jahrhundert unter Seeleuten. Ja eine furchtbar grassierende Krankheit, der das ganze Gebiss verloren, war nicht mehr leistungsfähig etc. Und man wusste nicht, was zu tun ist. Da gab es diesen berühmt berüchtigten Schiffsarzt Dr. James Lind, wie Sie in Ihrem Buch schreiben, der ja auch quasi, wie sagen Sie, blind, nicht Verkostung, aber Blindtests gemacht hat, und zwar mit einer relativ kleinen Menge an Testpersonen, wie sie heute gar nicht unmöglich durchgingen. Aber den einen hat er Zitrusfrüchte gegeben, den anderen, ich weiß gar nicht, Essig, Meerwasser, Meerwasser, genau. Und es stellte sich heraus, dass also, um es kurz zu machen, Vitamin C die Formel war, nach der man gesucht hat. Und dann schreiben Sie, und da war ich wirklich empört, hat das noch mal 50 Jahre gebraucht, 50 Jahre bevor das angenommen wurde von staatlicher Stelle in England, das so wissenschaftsaffin war damals schon dem Land von Darwin etc. Also wie erklärt sich denn dieser Wahnsinn? [00:41:53] Speaker C: Das habe ich nicht untersucht, aber es ist wirklich so, dass manche Sachen erstaunlich lange brauchen, bis sie sich sozusagen durchsetzen. Bei Penicillin hat der Alexander Fleming das Penicillin in den ER Jahren entdeckt, Der war aber zum Beispiel nicht in der Lage, vernünftig zu kommunizieren. Der hat es bei der habe ich die Geschichte zumindest so gelesen, bei der Royal Society in England vorgestellt, wissenschaftliches Meeting, hat seine Ergebnisse vorgestellt und man hat seinen Vortrag unterbrochen und hat ihn sozusagen des Saales verwiesen, weil er irgendwie so schwer verständlich gesprochen hat, also in komplexer Sprache und keiner hat es verstanden. Und dann hat es gedauert bis in die ER Jahre, bis es sozusagen wiederentdeckt wurde in USA und und dann erst sozusagen dann war ja auch der Zweite Weltkrieg am Toben und man brauchte für die Verletzten irgendwas, um deren Wundinfektion zu behandeln und dann hat es sozusagen den Durchbruch geschafft. Also manchmal braucht Innovation einfach günstige Umstände, dass sie auf fruchtbaren Boden fällt. Und möglicherweise war das bei der Entdeckung von Lind genauso. Vielleicht hatte er es, vielleicht musste er wiederentdeckt werden, bevor seine Entdeckung sozusagen Früchte tragen konnte. [00:43:11] Speaker D: Mich erinnert das an die die Geschichte von Professor, ich glaube, Semmelweis war es in Wien, der herausgefunden hat, dass die Kindersterblichkeit, Säuglingssterblichkeit direkt Zusammenhang mit der fehlenden Hygiene hatte. Also die haben eben noch am toten Korpus herumgeschnipselt und sie dann ohne Händewaschen direkt in den Kreißsaal gegangen. Da hat man dann aber herausgefunden und ich meine, der Mann hat ein furchtbares elendiges Ende gefunden. Den hat man nämlich dann in die Klapse gesperrt, hat den desavouiert. Er hat den Durchbruch, die Anerkennung dessen, was er da herausgefunden hat, nicht mehr erlebt. Kann es sein? Und jetzt erlauben Sie uns beide mal ein bisschen zu spekulieren. Ich weiß, einen Forscher dazu aufzurufen ist fast ein Verbrechen, aber nichtsdestotrotz das Ende eine Art wissenschaftliche Eitelkeit gibt die Menschen dazu verleitet, wenn sie schon nicht etwas bewirken können, wenigstens etwas zu verhindern. [00:44:21] Speaker C: Das kann ich mir gut vorstellen, dass es so was gibt. Ich habe mit einem Freund ein anderes Buch 2018 geschrieben, da haben wir uns mit der Frage beschä Wann verändern sich eigentlich Paradigmen und Paradigmen verändern sich typischerweise dann, wenn sozusagen in einem Denkrahmen Phänomene beobachtbar sind, die nicht zu der herrschenden Meinung passen. Und dafür muss man ja offen sein. Und wenn das bedeutet, ich muss vielleicht sozusagen irgendwas auch aufgeben, was mir, woran ich mich gewöhnt habe oder was ich sehr lange gemacht habe oder wo vielleicht auch kommerzielle Interessen eine Rolle spielen, bis sowas dann passiert, bis so eine Erkenntnis sich durchsetzt, das dauert ewig, ewig lange. Und das ist menschliche Natur. [00:45:17] Speaker D: Ja, ich weiß, was Sie meinen und ich gehe mal davon aus, wohlwollend, dass diese Art von Outlier, dass das nicht mehr passieren kann heutzutage. Dazu gibt es Sie zweifeln. [00:45:33] Speaker C: Ich befürchte, dass das immer noch so ist. Insbesondere jetzt, wo auch sozusagen diese Flut von Informationen über die sozialen Medien über uns geschüttet wird, wird es ja immer schwerer sozusagen noch sich irgendwo festzuhalten und durch den Strom nicht weggerissen zu werden. Und ob man sich dann immer am richtigen Strohhalm festhält. Ich weiß es nicht. [00:45:57] Speaker D: Ja, also wir kommen langsam zum Ende. Leider, leider muss ich sagen. Und jetzt will ich Ihnen gleich wehrlos, der Sie sind, das Versprechen abnehmen, dass Sie uns noch einmal in absehbarer Zeit zur Verfügung stehen. Vielleicht, wenn die Hörerinnen und Hörer darüber berichten, wie sie mit ihrem Buch und mit dieser Toolbox, die ich für so wichtig halte, am Ende des Buches die Erfahrungen gemacht haben. Was ist die Toolbox? [00:46:28] Speaker C: Ja, also das ist eigentlich etwas, wo der Kneipp Verlag mich aufgefordert hat, Sie müssen den Leuten was mitgeben, was sie sozusagen in ihrem täglichen Leben umsetzen. Und wenn man sich die Motivationsliteratur anguckt, dann gibt es ja sozusagen, ich weiß nicht, Tony Robbins kennen Sie wahrscheinlich, der lässt seine Jünger über glühende Kohlen laufen und you can reach everything und so. Also sehr viele Bücher hat dieser Mensch geschrieben, aber eigentlich ist es das falsche Vorgehen sozusagen die großen Ziele, die man dann auch rausposaunt, die werden meistens nicht erfüllt. Aber wenn ich es schaffe, kleine Ziele sozusagen, die mit einem überschaubaren Zeitraum verbunden sind, täglich in eine Routine zu übersetzen und dann Gewohnheiten zu bilden, dann kann das funktionieren. Deshalb habe ich mir so überlegt, na ja, wenn ich über mein tägliches Leben nachdenke, dann sind sechs Wochen so ein Zeitrahmen da habe ich meist im Gedächtnis, was wann kommt, wann ich auf eine Dienstreise muss, wo ich sozusagen an diesen verschiedenen Wochenenden sein werde, wo ich frei habe und kann das so ganz gut konzeptionell in meinem Kopf organisieren und vorausgucken. Ist es länger, dann brauche ich eher einen Kalender und muss dann auch mit dem Kalender arbeiten. Aber so sechs Wochen habe ich ganz gut im Blick und deshalb habe ich mir so überlegt, OK, wenn jemand sich ein Ziel in Bezug auf eine Lebensstilveränderung vorgenommen hat, dann ist sechs Wochen eigentlich eine gute Zeit. Das weiß man übrigens auch aus der Gewohnheitsforschung oder Habit, also Gewohnheitsbildungsforschung, sollte ich eigentlich sagen, sechs Wochen ist eine ganz gute Zeit, wo es gelingen kann, eine Gewohnheit zu etablieren, häufiger ins Fitnessstudio zu gehen oder mich 150 Minuten pro Woche zu bewegen. Und das heißt, ich kann dann so in der ersten Woche mal anfangen und kann erst mal um Block gehen oder ich kann mir Schuhe kaufen und dann mal um Block gehen. In der zweiten Woche habe ich dann vielleicht den Block schon verdoppelt und in der dritten Woche habe ich angefangen auch mal 100 Meter langsam zu joggen, also slow jog und in der dritten Woche habe ich dann vielleicht angefangen, diese 100 Meter zu verdoppeln und dann immer so mit Pausen dazwischen drin. Und lange Rede, kurzer Sinn, sechs Wochen habe ich deshalb gewählt, weil es aus der Wissenschaft gut bekannt ist, dass man sozusagen diese Zeit braucht, um auch so komplexere Routinen zu etablieren. Sind sehr komplexe Sachen, dann kann es noch länger dauern, weil es eine Zeit ist, man noch überschauen kann, wo man mit einigermaßen Hilfsmitteln ganz gut oder ohne Hilfsmittel eigentlich noch ganz gut zurechtkommt und weil ich damit hoffte, den Leuten was an die Hand zu geben, was sie sozusagen von Tag 1, wo sie das Buch aufschlagen, umsetzen können und in Handlung überführen können, die dann auch zu nachhaltigen Gewohnheiten führt, die dann wiederum nachhaltig das biologische Alter und die Kompression von Krankheit am Ende des Lebens zur Folge haben. [00:49:42] Speaker D: Für mich noch zum Schluss ein Thema, auf das ich immer sehr, sehr gespannt bin, was die Antworten betrifft. Wir sind ja, sage ich immer, Belohnungstiere. Ich weiß nicht, ob man das so sagen darf. Ihr Buch ist auch, sage ich mal, zu einem Großteil auf kognitive Information basierend. Deswegen ist es ja auch ein Buch, dass wir beim Lesen etwas ler und uns selbst überzeugen, dass der eine oder andere Punkt auch eine gewisse Relevanz für uns beinhaltet. Und ich weiß aber doch, dass die Belohnungen, die eben über das Kognitive hinausgehen, nämlich die emotionalen Belohnungen, auch fernab jener, die Sie so intensiv beschreiben, nämlich also die Dopamine, die zum Beispiel freigesetzt werden beim Laufen zum Beispiel, wenn wir Fitness betreiben und in diese berühmt berüchtigte Zone geraten, dieser Glückshormonausstoss dann aber doch auch immer wieder nachlassen, uns nicht davor bewahren, immer weniger zu laufen. Also was raten Sie uns? Sind wir imstande und würden Sie das befürworten, dass wir unsere eigenen emotionalen Belohnungen bauen? Regelrecht. [00:51:21] Speaker C: Wir müssen das, wir müssen das tun, denn evolutionsbiologisch waren wir über Jahrtausende immer in Gefahr zu verhungern und deshalb suchen wir Nahrung und sind immer eher geneigt, Nahrung zu viel zu uns zu nehmen. Wir vermeiden es uns zu bewegen, weil es einfach mit Energieverbrauch und damit wiederum mit einem höheren Risiko in der Evolution verbunden war, eben zu verhungern verbunden war. Und aus diesen Gründen brauchen wir diese kleinen Tricks, um uns sozusagen in Bewegung zu bringen oder unseren Wunsch dann doch sozusagen mehr zu essen, als uns gut tut, als wir vielleicht auch an Kalorien brauchen. Da braucht es eben diese kleinen Tricks, wie wir uns selbst so ein bisschen auch austricksen, um eben unsere inneren Emotionen im Check zu halten oder vielleicht auch auszutricksen und zu umgehen. Also zum Beispiel Bewegung. Anthropologen haben Naturvölker untersucht und man hat ja so lange geglaubt, Naturvölker, die leben immer sehr gesund, die bewegen sich ständig und hat aber gefunden, die bewegen sich gar nicht so viel. Wenn es nicht notwendig ist, dann sitzen die gerne rum und erzählen miteinander und sind sozusagen eher nicht bewegt, weil es einfach auch mit Energieverbrauch und damit wieder mit größerer Notwendigkeit Kalorien zu besorgen, was ja immer vielleicht auch nicht immer möglich ist. Also lange Rede, kurzer Sinn, wir brauchen deshalb Tricks, wie wir in Bewegung kommen. Also kann ich vielleicht das Auto ein bisschen weiter wegparken oder kann ich mir, bevor ich morgens zur Arbeit gehe, die Sporttasche schon bereitstellen, so dass ich quasi über sie stolpern würde, wenn ich sie nicht auf dem Weg aus dem Haus mitnehmen würde, um dann nach der Arbeit noch mal ins Fitnessstudio zu gehen und brauch solche kleinen Tricks und Habits, Gewohnheiten, die sich dann auch entwickeln, um eine gesündere Lebensweise durchzuführen und um unser emotionales, im Buch spreche ich ja vom Elefanten, unseren Elefanten, auf dem wir alle unterwegs sind, so ein bisschen in die richtige Richtung zu lenken. [00:53:43] Speaker D: Genau, ganz schnell auch weil ich es versprochen habe im Team, das Alter, in dem wir anfangen, uns An ihr Buch Anti Bullshit mäßig zu benehmen, ist das wurscht. Kennen wir das mit 18? Es ging so um die magische Grenze, gerade bei Frauen 45, hat das irgendwas zu bedeuten? [00:54:10] Speaker C: Ja, nein, Man kennt aus Sportarten Tänzerinnen zum Beispiel, da ist 18 bis 23 so der Höhepunkt der Leistungsfähigkeit und mit 43 können die dann auch in Rente gehen in England, also wo man sagen würde, krass, mit 43 in Rente. Insofern würde ich sagen, ist das Buch eigentlich so angelegt, dass in jedem Alter man etwas mitnehmen Frau auch kann, um eben sein biologisches Alter und die Alterung, der wir ja nicht entkommen können. Wir werden alle sterben, wir werden alle am Ende Siechtum erleiden, aber vielleicht haben wir die Möglichkeit, diese Periode, wo wir aktiv unser Leben gestalten können, zu verlängern und komprimiert am Ende dann eben das Siechtum doch zu erleben. Das wird sich nicht vermeiden lassen. Aber je früher man damit anfängt und je früher man gute Gewohnheiten ausbildet, umso besser. [00:55:04] Speaker D: Wunderbares Schlusswort, Ich danke Ihnen sehr. Ich Danke Ihnen Prof. Dr. Med. Hubert Trübel für dieses Buch. Erschienen ist es im Kneipp Verlag Wien, heißt Longevity, die Anti Bullshit Formel. Und dann gibt es noch einen kleinen Störer Fakten pur Doppelpunkt, was uns wirklich jung hält. Wir haben über vieles gesprochen, vieles ist noch offen geblieben. Ich nehme Ihnen jetzt nicht nur ein sichtbares Nicken ab, sondern wirklich das Versprechen, dass wir Sie noch einmal belästigen können, eine Stunde lang mit dem, was Sie vielleicht in der Zwischenzeit herausgefunden haben, was wir herausgefunden haben, auch mit diesem Ratgeber und Leitgeber Ihres Buches und sage Dankeschön, Herr Professor, ich habe zu danken und [00:55:59] Speaker C: gerne können wir uns noch mal treffen, Das würde ich sehr gerne machen. [00:56:01] Speaker D: Super, super, super Dankeschön. Wünsche Ihnen noch eine gute Zeit Ihnen bei Ihrem chronologischen Ego und Ihrem biologischen Ihnen auch Dankeschön. Die Arbeiterkammer Niederösterreich hat eine neue App, die AK Blitz App. Ab sofort zum Downloaden. Bleiben Sie am Laufenden, erhalten Sie alle relevanten Informationen und Sie wissen, noch nie war es so wertvoll zu wissen, wo man seine Informationen her hat. Die AK Blitz App ab sofort zum Downloaden. Das war der Montalk. Chefredaktion Susanne Karner, Mario Gattinger und Bettina Schabschneider. Straßenumfragen Christoph Baumgarten, Technische Stefan Dangl, Administration Christina Winkler. Am Mikrofon Alexander Göbel.

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