Episode Transcript
[00:00:01] Speaker A: Es ist nicht die Sprache, die fehlt.
Es ist die Kommunikation, glaube ich, allerweilig.
Diese Begriffe, die mit System, zum Beispiel Compositor bilden, dass das alles wirklich aus der Naziterminologie kommt,
[00:00:32] Speaker B: Wissen, was Sache ist.
[00:00:40] Speaker A: Guten Tag.
[00:00:40] Speaker C: Inwiefern hat sich Sprache Ihrer Meinung nach
[00:00:43] Speaker D: in den letzten Jahren oder Jahrzehnten verändert?
Also bei mir selber, glaube ich, merke ich es nicht so sehr, halt mehr englische Begriffe, aber ich merke halt schon dadurch ich älter werde, dass mehr Jugendsprache, also dass ich die Jugendsprache nicht besser verstehe. Naja, die Jugendsprache hat sich schon ein bisschen geändert. Es gibt so ein paar Wörter, die ziemlich, ja, wie soll ich sagen, für mich ein bisschen komisch wirken, wie weiß nicht Das Crazy oder Six 7 oder keine Ahnung. Also es geht halt mit. Die Jugendlichen erfinden halt immer wieder neue Wörter.
Es hängt von Generation jungen Leuten, da muss man mitmachen. Das war genauso, als ich auch nun war. Das kann man nicht stoppen Und es muss immer Unterschied zwischen alter Generation und neue Generation, sonst gibt es keine Entwicklung. Ja, es gibt natürlich sehr viele englische Begriffe bei uns, besonders die Jugend gern verwendet, auch viele Deutsche und ja, mein Gott, ich bin schon alt, ich finde es weniger gut, aber es ist wahrscheinlich schon wichtig für die einfach Internationalität. Mir tut auch ein bisschen leid, dass die ganzen Titel geändert wurden, aber es ist so.
[00:01:58] Speaker B: Frau Professorin Dr. Dr. Dr. Ruth Wodak war als Gästin bei mir. Zweimal hat sie uns ihre wertvolle Zeit geschenkt. Schließlich ist sie die Sprachwissenschaftlerin des Landes und wir haben über diese Sprache, unsere Sprache gesprochen, nicht nur die Hochsprache oder die Schriftsprache, sondern wir sind auch wirklich in Dialekt reingegangen, was der mit uns macht und was Sprache mit uns macht an sich und mit mir hat es etwas ganz Besonderes gemacht. Sie hat mich nämlich weggeholt von dieser Verherrlichung unserer deutschen Sprache, der ich manchmal anheimfalle, sondern sie hat mich gelehrt, die Frau Professorin, dass es nicht auf die Sprache ankommt, sondern auf die Sprecherin und die Zuhörerin. Und das ist genau das, was ich Ihnen jetzt ans Herz legen würde. Hören Sie sich das doch mal an.
[00:03:05] Speaker C: 1951 erschien erstmals das Österreichische Wörterbuch als schmales Schulwörterbuch und setzte damit ein erstes Zeichen einer sprachlichen Selbstständigkeit.
Deutsch ist keine einheitliche Sprache und hat viele Erscheinungsformen, die sich in historischer, regionaler, sozialer, stilistischer und vielerlei anderer Hinsicht voneinander unterscheiden.
Für Österreich. Typische Varianten wie Sackerl oder Marille heißen im Fachausdruck Austriazismen. Sprache verändert sich laufend meistens von unten. Bottom up Sprachwandel wird oft zuerst emotional abgelehnt, später aber institutionalisiert.
In einer Studie wurden Maturaarbeiten verglichen und dabei ein starker Rückgang von Lehnwörtern mit lateinisch griechischen Wurzeln verzeichnet, während Anglizismen gleichzeitig zugenommen.
[00:03:56] Speaker A: Quellen. Duden.
[00:03:57] Speaker C: Dr. Ruth Wodak Standard und Falter.
[00:04:02] Speaker B: Also herzlich willkommen. Danke für Ihre Zeit zunächst einmal.
Ich sehe, Sie sind sehr gut gelaunt.
Sie freuen sich ein wenig auch auf uns.
[00:04:13] Speaker A: Ja, also ich bin eigentlich meistens ganz gut gelaunt.
[00:04:18] Speaker B: Wow, wer kann das schon sagen?
[00:04:22] Speaker A: Ich denke, es ist angenehm, wenn man nicht missmutig durch den Tag geht.
[00:04:27] Speaker B: Wahrlich ist das eine Entscheidung eigentlich.
[00:04:31] Speaker A: Nein, ich bin überhaupt eher ein relativ fröhlicher Mensch.
[00:04:37] Speaker B: Schön, schön, wunderbar. Ich freue mich sehr. Also Frau Dr. Wodak, Sie als wichtigste Sprachwissenschaftlerin des Landes und Sie waren Österreichs erste Wittgenstein Preisträgerin. Sie sprechen selbst sechs Sprachen, haben mehrere Studien absolviert und sind nach wie vor, glaube ich, Professorin an der Lancaster University in der UK.
Das heißt, Sie sind noch voll drin in der akademischen Arbeit.
[00:05:16] Speaker A: Nein, ich bin eigentlich schon emeritiert, bin schon recht alt und bin 2016 aus Lancaster, also aus England, wieder nach Wien zurückgekehrt.
[00:05:32] Speaker B: Umso schöner, dass Sie die Weisheit des Alters jetzt auch mit uns teilen werden. Vielen herzlichen Dank. Aber Sie schreiben ja unten unterbrochen Bücher, Frau Professorin Wodak, Das letzte war 2024 Richtig und heiß Ein sehr unwissenschaftlicher Titel eigentlich. Das kann immer noch in Wien passieren. Alltagsgeschichten. Das hört sich unterhaltsamer an, als es wahrscheinlich ist, oder? Ganz Was lesen wir?
[00:06:09] Speaker A: Sie lesen das ist die zweite Auflage eines Buches, bestimmte Alltagserfahrungen von österreichischen Juden, Jüdinnen, die Sie so eben im Lauf ihres Lebens gemacht haben und wo sie antisemitische Vorurteilen begegnet sind, sei es auf der Straße, sei es im Freundeskreis, sei es im Beruf.
Und diese Menschen haben das in Form von kurzen Erzählungen oder auch längeren Essays dokumentiert. Ich habe das gesammelt und deshalb heißt das eben noch immer, weil in der ersten Auflage hieß es, das kann immer noch in Wien passieren.
[00:07:07] Speaker B: OK. Und Sie haben es umgedreht jetzt für das aktuelle Buch, also bei dem wenigen je m Excuse, das ich von Ihrer Arbeit weiß, Und aus Ihren Büchern sagen Sie beide ja, dass diese anti jüdische Haltung, um es mal jetzt so zu nennen, ich weiß gar nicht, was das Modesjour ist, wie man gerade sagt, antisemitisch ist im Moment ein riesen Kampfruf, zumindest in Amerika etc. Also dass diese Haltung eigentlich durchwegs da ist, nur mitunter über Jahre, manchmal auch Jahrzehnte, nicht so nach außen getragen wird.
Was löst denn bei uns allen aus, dass wir plötzlich uns einer gewissen Sprache, die wir ja eigentlich schon überwunden geglaubt haben, wieder bedienen? Was muss da passieren?
[00:08:08] Speaker A: Ja, wenn man das so genau wüsste, könnte man ja präventiv einiges unternehmen, wobei ich glaube, dass man also schon einiges auch in den Bildungsinstitutionen macht, aber es kommt immer wieder zu gewissen Krisen, Ängsten, Unsicherheiten, wo es scheinbar manchen Leuten hilft, eine Verschwörungserzählung sich dieser zu bedienen.
Und die Muster dieser Verschwörungserzählungen sind sehr oft mit jüdischen Menschen verbunden, im Sinne, dass es da also eine mächtige Lobby gäbe, die scheinbar das Geschehen der Welt dirigiert.
Und diese Mythen, muss man sagen, oder diese Verschwörungsmythen sind ja alt, die gab es also schon über die Jahrtausende und wurden aber im 18. Und 19. Jahrhundert dann von bestimmten Nationalisten auch schriftlich dokumentiert, in Büchern verbreitet. Also die Protokolle von Zion sind ja über 30 Auflagen dann erschienen.
Und offenbar scheint es manchen Menschen zu helfen, sich solcher Verschwörungsmythen zu bedienen, um eben Dinge zu erklären, die sie sonst nicht verstehen. Und gerade eben, wenn es schwierige Zeiten gibt, dann scheint das behilflich zu sein, Schuldige zu finden, denen man das zu zuschreibt. Und das sind eben oft Juden Jüdinnen, und das erleben wir ja jetzt auch. Aber dass also Juden Jüdinnen an der Finanzkrise schuld seien oder an Kriegen oder an der Migration oder also alle möglichen Phänomene, die sehr komplex sind, werden so scheinbar erklärt und eben mit diesen Sündenböcken identifiziert.
Was dann die Sache noch wesentlich gefährlicher macht, ist, wenn dann die Politik, also eine Partei oder bestimmte Politiker, Politikerinnen das instrumentalisieren.
Das sehen wir beispielsweise in Ungarn, wo Viktor Orban, George Soros immer wieder als Feindbild stilisiert hat.
Wir haben das selber in der Covid Pandemie erlebt, also wenn Sie sich erinnern an viele Plakate oder auch Slogans, die damals gebraucht wurden, eben Rothschild, Soros, ich weiß nicht was, alle seien schuld daran, dass es dieses nicht sichtbare Virus gäbe.
Ja, also scheint eben so eine leichte Lösung zu sein, solche Sündenböcke zu kreieren. Und da werden halt eben immer wieder Juden, Jüdinnen herangezogen.
[00:12:02] Speaker B: Ja, jetzt sagen sie uns, dass die Sprachlosigkeit eigentlich ein gesellschaftlich gefährlicher Zustand ist, weil er eben etwas offen lässt und wir individuell aufgefordert sind, nahezu oder es wird uns überlassen, das selbst einzusetzen, was uns hier fehlt.
Wie könnten wir denn diese Lücke schließen? Wie hätte denn, und jetzt glaube ich, nach so vielen Jahren können wir ruhig darüber sprechen, was da alles in der Covid Krise kommunikativ schiefgelaufen ist, die Politikerinnen reagieren sollen, um uns zu erklären, um uns nicht in dieser prekären Lage zu wissen.
[00:12:51] Speaker A: Ja, also ich würde nicht sagen, Sie stellen eine komplexe Frage, sorry, aber das ist gut so. Gut, ich würde da mal mehrere Punkte machen. Also erstens, es ist nicht die Sprache, die fehlt, es ist die Kommunikation.
Also das heißt, Sprache ist immer da.
Die Frage ist, was wir wie benennen und mit wem wir kommunizieren und wie wir das kommunizieren.
Und wir haben jetzt gerade, also es kommt jetzt ein Buch heraus von Markus Rendorf und mir heißt bezeichnenderweise Baby, Elefant und Hausverstand.
[00:13:42] Speaker B: Ah ja, das kommt im März, glaube ich, gell?
[00:13:44] Speaker A: Genau.
Und da geht es eben genau darum, was ist gut gelaufen, was ist schiefgelaufen, Muss man sich überlegen. Das war ein unglaublich bedrohliches Szenario.
Es kommt da dieses unsichtbare Virus und das ist auch wichtig, weil man sich das vor Augen hält, dass es eine Gefahr ist, die man nicht sieht.
Und da spinnen sich dann natürlich sehr schnell viele Assoziationen um dieses Unsichtbare herum.
Das Unsichtbare ist sehr gefährlich. Und wie geht man damit um und wie bringt man eine Bevölkerung dazu, gewissen Maßnahmen zu folgen? Das ist eine schwierige Aufgabe, das in einer Krise zu kommunizieren.
Wir haben also in dieser Studie viele unterschiedliche Regierungen uns angeschaut und es wurden sehr unterschiedliche Strategien auch verfolgt. Also wenn ich da jetzt nur ein paar Beispiele nenne.
Also bei uns wurden sehr schnell Gebote und Verbote erlassen und es wurde uns allen, also jetzt sozusagen den Österreichern und Österreicherinnen bzw. Allen Menschen, die hier leben, erklärt, was man darf was man nicht darf und es wurden auch ziemlich strenge Sanktionen eingeführt. Da gab es dann auch einen Wortschatz, der das alles bezeichnet hat.
[00:15:35] Speaker B: Genau.
Wäre es da aus sprachwissenschaftlicher Perspektive gesehen nicht eine gute Idee gewesen, irgendetwas Beruhigendes zu erzählen, statt herumzudrucksen und dann diese Dutzenden von Expertinnen einzuladen, die alle natürlich ihre Chance wahrgenommen haben, wurscht, ob sie mit einer Stimme sprachen und oder nicht. Auf was machen die Skandinavier besser? Liegt es daran, dass sie eine bessere Sprache haben oder sind die skandinavischen Bürgerinnen und Bürger offener für das, was ihnen da gesagt werden soll in dieser Krise?
[00:16:25] Speaker A: Also Sie haben völlig recht. Am Anfang wusste eben, wie ich ja selber auch gesagt habe, niemand, wie man sich da wirklich verhalten soll, weil niemand wusste, wie gefährlich das ist, was da passiert und was dieses Virus wirklich impliziert. Und dann noch dazu gab es diese Mutationen. Also hat sich echt nicht ausgekannt.
Und es wurde also uns verkündet, dass das zu Ostern sozusagen besser werden wird, weil diese religiöse Metaphorik für Österreich anscheinend sinnvoll war.
Aber jedenfalls, ich denke, dass man beruhigen kann man ja nur, wenn man sich auskennt. Also es hat schon Sinn gehabt zu sagen, wir kennen uns nicht aus, wir können jetzt bestimmte Vorsorge treffen im Sinne von wie vermeidet man Ansteckung?
Das war schon, glaube ich, sehr sinnvoll. Und auch, dass man also die Menschen, die trotz allem, also trotz Lockdown, wichtige Berufe verfolgt haben, weil sonst hätten wir alle keinen Strom und kein Wasser und keine Heizung gehabt und auch nichts zum Essen, keine Pflege vor allem nicht, dass man da diese Menschen, die diese Berufe haben, auch besonders gelobt hat und hervorgehoben hat, allerdings dann im Nachhinein nicht wirklich belohnt hat. Es war schon ein großes Problem, dass Ankündigungen nicht sozusagen ausgeführt wurden.
Und es gab, und da komme ich zu einem weiteren Punkt, immer wieder Ankündigungen.
Ankündigungen soll man an sich nur dann machen, wenn man sie einlösen kann.
Und da ist es, denke ich, jetzt von der Kommunikation wesentlich besser zu sagen, wir warten mal ab, wie sich das entwickelt.
Und das wird genau beobachtet von allen Expertinnen und so weiter.
Und in einer Woche wissen wir mehr.
Momentan ist es besser für den Schutz von allen bestimmte Regeln einzuhalten.
Wenn man aber ankündigt, also ab dann ist es so und ab dann gibt es diese Ampel und dann passiert es nicht, geht Vertrauen verloren.
Und es gab auch, und wir haben das zeichnen das in unserem Buch sehr genau nach, sozusagen unprofessionelles Verhalten.
Also ich weiß nicht, ob Sie sich erinnern an diese vielen Pressekonferenzen, aber das tun Sie sich sicher, weil wir alle ja gestarrt haben.
[00:19:35] Speaker B: Ja, es war eine einzige Konferenz, Neues
[00:19:38] Speaker A: gibt und so weiter.
Apropos, dort gab es kaum Pressekonferenzen, aber wir hatten also diese Pressekonferenzen und dann wurden manchmal so Bilder von Grafiken also in den Schirm hineingehalten.
Also nicht einmal in einem Seminar würde das ein junger Student oder eine Studentin so machen. Das blendet man ein, da hat man Folien, das sieht ja keiner, wenn jemand hinhält. Und es gab also eine Menge so unprofessioneller Handlungen, die letztlich recht unverständlich waren, warum das nicht besser gemacht wurde. Es gab auch offensichtlich eine Competition, die da stattgefunden hat. Also wer zum Beispiel zwischen dem damaligen Bundeskanzler und dem Gesundheitsminister Anschober, also wer hat mehr zu sagen, wer weiß es besser?
[00:20:46] Speaker B: Ja, ja, die Politik.
Also bevor wir beide das jetzt zu einer Covid Aufarbeitungshysterie ausufern lassen, bremse ich mal ab, was mich jetzt an ganz normalen Entwicklungen interessiert, außerhalb der Krisenzeiten, wenn es das überhaupt noch gibt oder wir sagen, alles ist eine Krisenzeit, je nachdem,
[00:21:12] Speaker A: Krise ist normal geworden, ich glaube auch
[00:21:15] Speaker B: so wie Change normal geworden ist. Aber es muss doch aus geschichtlicher Perspektive Epochen gegeben haben, wo der Sprachwandel, und der ist ja immer präsent, unsere Sprache verändert sich ja andauernd, besonders, ich will nicht sagen harsch war, aber sehr beeindruckend in meiner Lebenszeit, erinnere ich mich, mit Ende des Zweiten Weltkriegs kam eine riesen Englischwelle über uns, die Sprache der Befreier, die Sprache der Freiheit, der Demokratie und so weiter. Aus heutiger Sicht fast ein bisschen absurd, aber wir hatten diese Anglizismen und die wurden uns regelrecht untersagt. Okay, war ein Schimpfwort in der Schule, Sie werden sich auch erinnern, war das so eine Epoche und gab es andere?
[00:22:13] Speaker A: Ja, also auch da kann man das nicht so generalisieren. Also Sprachwandel gibt es praktisch immer.
Das ist einmal wichtig, das zu verstehen.
Und zwar auch deshalb, weil es immer irgendwelche Innovationen gegeben hat und gibt. Die muss man benennen. Also wenn es neue Phänomene gibt oder neue technische Erfindungen oder überhaupt neue Krankheiten, was auch immer. Man muss also neue Phänomene benennen. Also dadurch kommen auch neue Begriffe.
Aber es gibt auch einen großen Einfluss der Jugendsprache und da gibt es jetzt immer mehr sprachsoziologische oder soziolinguistische Studien dazu, welchen Einfluss eigentlich diese Jugendsprache hat, wobei auch die natürlich nicht homogen ist, sondern es gibt also viele Peergroups, unterschiedliche Peergroups, die das eher irgendwie lancieren. Und da gibt es jetzt eine große Studie über London zum Beispiel, also dass die Jugendlichen in unterschiedlichen Peergroups ganz stark das Englische, das in London gesprochen wird, beeinflussen. Zunächst wird das einmal als nicht schön und so soll man nicht sprechen und das ist eben ein bestimmter Dialekt. Es ist aber nicht cogni, es ist kein bestehender Dialekt, sondern ist eine Vermischung von Begriffen. Es werden neu geschaffen. Es ist so ein Code manchmal den Peergroups verwenden Und wenn das von den Medien aufgegriffen wird und wenn das von Fernsehserien aufgegriffen wird und von jetzt auch den Social Media natürlich, dann wird es langsam in den Alltag verbreitet und immer mehr sozusagen zu einer gewohnten Art und Weise, wie man spricht. Also dieser Sprachwandel durch Jugendliche, die also auch sehr viel aufsaugen aus Medien ist ein ganz wichtiges Phänomen. Aber ist doch gut beobachten. Ja, das ist absolut.
[00:24:51] Speaker B: Nur um das mal auszusprechen.
[00:24:53] Speaker A: Ja, ja, das absolut gut. Und es ist ein Phänomen, das es eigentlich immer gegeben hat.
Natürlich bemerken wir das jetzt stärker durch den Einfluss der Medien.
Also früher war das natürlich fast eine Geheimsprache, gell? Ja.
Und jetzt wird das also wesentlich stärker durch die Medien präsent.
Das zweite ist momentan ein großer Einfluss, technische Innovation, das ist ganz klar. Also jetzt sprechen wir von digitalen, von Artificial Intelligence und und und.
Das sind ja alles auch neue Konzepte, neue Phänomene, neue Begriffe, über die wir alle reden, auch wenn wir nicht wissen, was sie bedeuten, aber alle reden darüber.
Das dritte ist Sprachpolitik. Also es gibt natürlich auch Sprachpolitik sozusagen von oben weniger in demokratischen Ländern natürlich, wo es eben keine Sprachpolizei in dem Sinn gibt und auch keine Zensur.
Aber wir beobachten beispielsweise jetzt schrecklicherweise in den USA, wie diese Zensur schon wirkt, dass manche Begriffe aus Schulbüchern gestrichen werden.
Und diese Begriffe bedeuten ja nicht nur ein Wort, sondern das ist ein ganzes semantisches Feld und natürlich auch ein Teil der Realität.
Und wir wissen, dass Suchmaschinen jetzt eben diese Begriffe in Bibliotheken suchen und dann Bücher entfernt werden.
Das ist natürlich schon ein Zeichen von massiver Sprachpolitik von oben und hat es in der Sowjetunion gegeben und im Ostblock. Damals hat man das als langue Dubois bezeichnet, also eine bestimmte Sprache, die also manches ausschließt einfach.
Und natürlich in der Nazizeit genauso.
[00:27:16] Speaker B: Ja, ja.
Darf ich da kurz einhaken, Sonst sind es mir zu viele Punkte. Also erstens, ich kann es total verstehen, dass die Briten sich jetzt ärgern, wenn eine neue Sprache geadelt wird. Das darf ja nur das Königshaus. Das hat aber im Moment andere Probleme als die Sprache, glaube ich. Oliver Nur die Sprache. Aber was mich interessiert an diesem Phänomen, dass Sie uns jetzt erklärt haben, dass natürlich im Zuge von gesellschaftlichen, manchmal auch wie im aktuellen Fall technologischen Entwicklung eine neue Sprache in unser Leben eintritt. Aber wir sprechen die ja nicht nur, sondern wir schreiben sie. Wir sollten sie, wir sollen sie schreiben. Wir versuchen sie zu schreiben. Warum schaffen wir es nicht, englische Begriffe aus der Technologie, die in unserem Alltagssprachgebrauch Eingang gefunden haben, wie wir sie schreiben, Geliked.
Er hat mich geliked. Wie schreibe ich das? Le i k t oder ab dort haben Sie einen Tipp.
[00:28:38] Speaker A: Da gibt es also auch wieder verschiedene Möglichkeiten und ich bin eben jemand, die da sehr undogmatisch ist. Man kann natürlich das so schreiben, wie das im Englischen ist, liked wie L I K ed.
Ja, man kann das aber natürlich auch jetzt übernehmen ins Deutsche. Und es wird also ein ein Begriff. Im Deutschen muss man warten und schauen, ob es im Duden oder im österreichischen Wörterbuch auftaucht. Und die werden uns also sagen, ob wir das dann mit T am Ende oder mit D am Ende schreiben. Man kann es sozusagen unter Anführungszeichen verdeutschen.
Ich finde das völlig okay. Ich finde es okay, wenn jemand das eher sozusagen so schreibt, wie es im Englischen ist oder so schreibt, wie man es hört und es dann also sozusagen im Wörterbuch entweder im österreichischen oder im Duden auftaucht. Beides ist möglich.
Und ja, ist es individuell standardisiert werden.
[00:29:54] Speaker B: Ich wollte gerade sagen, jeder sucht sich seinen eigenen Weg. Also wir beide können ja jetzt vielleicht insofern unseren Teil dazu tun, indem wir okay, es gibt eine neue Sprache, die heißt techlich und techlich sollte jetzt von jenen, die mit TEC zu tun haben, tunlichst beherrscht werden. Wir anderen müssen das nicht verstehen dürfen, aber verstehen sind auch aufgerufen zu wollen zu verstehen. Denn das und das ist jetzt das Nächste, wenn wir uns darum kümmern und da meine ich vor allem auch uns Ältere, dass wir uns um täglich kümmern. Das habe ich eben erst erfunden übrigens.
Also ich sag nur, da ist jetzt das Copyright Göbel drauf, dass wir dann auch, und korrigieren Sie mich, wenn ich einen Blödsinn sage, uns leichter tun, das, was damit beschrieben wird, auch selbst zu übernehmen, zu beherrschen, einzusetzen, zu unser aller Wohlstand, sage ich jetzt mal ganz provokant, weil wir werden ja später noch über Arbeitsplätze und so weiter sprechen. Also ist diese Neugier nach neuen Begriffen, da meine ich jetzt nicht unbedingt, wie wir es jetzt hatten, wichtig, dass wir weiterkommen.
[00:31:21] Speaker A: Ich denke, es ist absolut wichtig, aber es ist auch wichtig, nicht nur sozusagen Begriffe zu verwenden, ohne sich schon über deren Bedeutung bewusst zu werden.
Man kann also Begriffe nachahmen oder man kann sie also sozusagen verwenden, ohne dass zu wissen. Da kann man aber dann sehr einfach in Fettnäpfchen treten oder Fehler machen.
Insofern finde ich das ganz gut, wenn man solche Begriffe schon nachschaut, da die meisten Leute ein Smartphone besitzen irgendeiner Art, kann man also schnell die Bedeutung von einem neuen Begriff zumindest kurz einmal nachsehen.
Also ich finde es wichtig, schon Sprache so zu verwenden, dass man sie verständlich verwendet, aber auch so, dass man selber weiß, was man sagt.
[00:32:24] Speaker B: Ja, das ist schon irgendwie Grundvoraussetzung. Eine Grundvoraussetzung an dieser Stelle, Frau Professorin Wodak, möchte ich gerne unsere Instagram Umfrage, die wir natürlich auch diesmal zu diesem Thema gemacht haben, vorstellen. Und da haben wir Findest du, dass sich unsere Sprache verändert?
90 Prozent der Befragten deutliches Ja, 10 Prozent Nein. Also dass wir uns in einer Dauerlingual Veränderungsschleife befinden, ist ganz offenbar durch. Das ist angenommen. Es geht jetzt nur darum, will man annehmen, soll man annehmen? Wir haben bis jetzt von täglich gesprochen eine neue Sprache, sage ich mal jetzt ein wenig eitel, wer weiß. Aber viel, viel gefährlicher ist es doch, wenn wir alte Sprache wieder auspacken. Wie geht es Ihnen denn, Frau Professorin Wodak, die Sie ja es zumindest aus Schilderungen Ihrer Familie wissen? Ihre Familie musste, glaube ich, Österreich verlassen
[00:33:42] Speaker A: auch ja, sie wurde vertrieben.
[00:33:44] Speaker B: Vertrieben, ja.
Wo sind Ihre Leute hingegangen damals?
[00:33:49] Speaker A: Also meine Eltern hatten Glück, nach England zu kommen, OK, cool.
[00:33:55] Speaker B: Und dort sind sie geblieben.
[00:33:57] Speaker A: Also dort Haben Sie den Krieg überlebt und mein Vater hat auch in der britischen Armee gekämpft.
[00:34:04] Speaker B: War er dann auch in Deutschland? Wissen Sie das zufällig?
[00:34:06] Speaker A: Nein, in Italien.
[00:34:08] Speaker B: In Italien, okay. Okay, gut. Also liebe Grüße an jene, die noch unter sind, unter uns sind, von uns aus, danke.
[00:34:18] Speaker A: Aber meine Eltern leben nicht mehr.
[00:34:20] Speaker B: Ja, das war mir klar. Ich wollte damit nur zum Ausdruck bringen, dass Sie durchaus sehr, sehr persönliche Intentionen und Interessen haben an dieser Aufarbeitung. Wie geht es, wenn Sie heute Worte wie Remigration hören, Volkskanzler, Systemparteien und vor allem Lügenpresse?
[00:34:48] Speaker A: Da geht es mir an sich eher ärgerlich.
Also ich finde es, also wirklich, ich nenne das ja auch schamlos, ich finde das schamlos, dass Nazi Begriffe in unserer Alltagssprache und Kommunikation normalisiert werden. Also ich finde es schlimm, wenn die Medien auch nicht klar signalisieren. Das ist ein negativ konnotierter Begriff.
Einige Journalisten, Journalistinnen machen das, aber viele auch nicht.
Und viele Menschen sind sich sicher auch nicht bewusst, woher diese Begriffe kommen. Und das kann man ihnen auch nicht vorwerfen, weil sie in der Schule oder in der weiteren Ausbildung auch nicht gelernt hat oder nicht gelesen hat. Dazu aber, dass bestimmte Nazi Begriffe jetzt einfach verwendet werden von einer Partei, die auch die Wahlen gewonnen hat.
Und sozusagen man gewöhnt sich daran, man kann ja auch nicht 24 Stunden am Tag empört sein und man kann sich auch nicht bei jeder Provokation empören.
Aber es wäre schon gut, wenn man wirklich wüsste, dass diese Begriffe, die mit System zum Beispiel so Komposita bilden, dass das alles wirklich aus der Naziterminologie kommt.
[00:36:28] Speaker B: Also mir ist es, verzeihen Sie, mir ist es selber so gegangen und zwar noch vor ein paar Jahren. Ich halte mich nun wirklich für einen politisch reflektierten Menschen, aber ich habe nicht gewusst, dass dieser Satz, den man schnell mal so wegwirft, Wie heißt das?
Das ist durch, Ich sage jetzt immer, ich habe was anderes. Sehen Sie, jetzt hänge ich schon, Das ist Sprache zum Beispiel. Warum ist das jetzt so? Ich wollte jetzt was ganz Wichtiges sagen.
[00:37:07] Speaker A: Das haben Sie jetzt kurz vergessen. Das macht ja nichts.
[00:37:10] Speaker B: Ja, und zwar mutwillig habe ich es vergessen, weil es wirklich, es ging um den Satz durch den Rost gefallen.
[00:37:20] Speaker A: Ja, also da muss ich Ihnen sagen, das ist interessant, dieser Satz. Da gibt es auch Kontroversen, ob das tatsächlich von den Nazis aus dem KZ wurde.
Es gibt ja ein großartiges Buch von Schmitz, das Vokabular des Nationalsozialismus, praktisch ein Wörterbuch mit allen Belegen, also wo wer was verwendet hat.
Und da kommt dieser Satz nicht vor.
Und jetzt gibt es wenige Belege, die zeigen, dass er zumindest in Österreich verwendet wurde, aber anscheinend nicht in Deutschland. Also der Satz ist eigentlich kein so ausgesprochen klarer Beleg.
Wenn Sie aber im System Presse und Lügenpresse und Ähnliches verwenden, dann werden Sie viele Belege in diesem Vokabular des Nationalsozialismus finden. Ebenso alles, was mit Volk und Volkskanzler und Völkisch und so weiter betrifft.
Und ich denke, dass es vielleicht Sinn machen würde, also zumindest jenen Parlamentariern dieser Partei, die immer wieder provoziert, Überfremdung, Umvolkung und so weiter, dieses Buch zu schenken. Also vielleicht wissen die das auch nicht, was sie da eigentlich sagen.
[00:38:56] Speaker B: Gehen wir mal davon aus, dass sie keine Ahnung haben davon. Bei manchen Reden, die ich höre, haben sie ja nicht einmal Ahnung vom Genitiv, aber das ist dann eine andere Geschichte.
Da ganz kurz zu bleiben, Frau Professorin. Nämlich, wenn ich okay, das sind Begriffe, die haben wir überwunden aus Gründen der lingualen Vernunft, nennen wir es mal so, aus Gründen der Hintergrundinformation, wie wir es jetzt festgestellt haben, etc. Aber es kann doch nicht sein, dass wegen dieser, ich sage jetzt mal was Gefährliches aus geschichtlicher Perspektive, wegen dieser paar Jahre, die dieses System nur gebraucht hat, um die Welt zu verbrennen, dennoch ein paar Jahre wir unsere gesamte gelernte Sprache über Jahrhunderte, Jahrtausende aufgeben sollen. Weil was mir auffällt, ist, dass es sehr wohl Begriffe gibt, die sowohl im Nationalsozialismus als auch jetzt noch die gleiche Stellung haben. Heimat. Ich sehe nicht ein, warum mir der Begriff Heimat weggenommen werden soll. Ehre, Ehre, warum?
[00:40:21] Speaker A: Ich würde gerne dazu wichtig, dass Sie das ansprechen. Sollen ja diese Begriffe nicht weggenommen werden. Okay, überhaupt nicht.
Gerade weil Sie Heimat ansprechen, kommt ja immer darauf an, wer was in welchem Kontext sagt. Es geht ja nicht um irgendwie kontextlose Begriffe, dass ich jetzt plötzlich sage, also Heimat darf nicht mehr verwendet werden oder Dirndl darf man nicht mehr tragen oder sonst was.
Dirndl wurde für Juden, Jüdinnen verboten im Nationalen Ja, durften das nicht tragen.
[00:41:01] Speaker B: Womit wurde das begründet? Wissen Sie es noch?
[00:41:03] Speaker A: Ja, dass nicht arische Menschen das nicht tragen dürfen.
[00:41:09] Speaker B: Ach so, es ist Arier.
[00:41:11] Speaker A: Also ich habe nicht den Gesetzestext jetzt vor mir, aber es gab also jüdische Menschen durften, wenn sie zum Beispiel nach Bad aussehen oder dann sind sie ohnehin vertrieben worden oder deportiert worden, aber das war nicht okay und dann wurde es insgesamt verboten.
[00:41:35] Speaker B: Okay, okay.
[00:41:36] Speaker A: Also, aber ich will jetzt zurückkommen auf den Kontext.
Und wenn Sie sich jetzt an Heimat erinnern, das ist nämlich ein gutes Beispiel, es gab ja diesen Wahlkampf zwischen Hofer und Van der Bellen und erinnern Sie sich, sicher gab es konkurrierende Plakate.
Also es gab einerseits die Heimat des Kandidaten Hofer und es gab die Heimat des Kandidaten Van der Bellen. Die waren sehr unterschiedlich bedeutet und damit wurde völlig klar, wenn man die einander gegenüberstellt, dass man Heimat eben sehr unterschiedlich verwenden kann.
Deshalb kommt es eben darauf an, wer das in welcher Weise verwendet.
Ganz genauso, weil sie vorher schon den Begriff Remigration angesprochen hat. Natürlich verwendet man weiterhin den Begriff, das Konzept Remigration, weil das ist an sich ein wissenschaftlicher Begriff.
In der Migrationstheorie heißt, dass Leute, die einmal emigriert sind, wieder zurück, freiwillig zurückkehren, heißt aber nicht Deportation, so wie das jetzt von Rechtsaußen verwendet wird, also die zwangsweise Remigration.
Also es kommt darauf an, es heißt eben jetzt nicht, ich darf diesen Begriff nicht mehr verwenden, sondern ich muss eben klar wissen, wie ich wann verwende.
[00:43:14] Speaker B: Ja, ja, also gut, das heißt, wir müssen bei der Sprache höllisch aufpassen.
Wir Eltern und Großeltern sind aufgerufen, auch in der Sprache inhaltlich unserer Kinder Acht zu geben, weil ich habe mal gelesen, ab dem Moment, wo das Kind in die Schule kommt, verlieren wir zwei Drittel unserer Einflussmöglichkeiten.
Daher müssen wir umso besser zuhören, mit wem die Kinder verkehren, was sie lernen und was sie möglicherweise auch inhalieren, wenn man das so sagen will.
[00:43:55] Speaker A: Ich glaube, dass man nicht ständig aufpassen kann, wie man spricht.
Also das wäre schrecklich, weil wir das ja automatisiert machen und das ist ja auch gut so.
Und ich glaube, dass es wichtig ist, natürlich Kindern und Enkelkindern irgendwie ein Wissen beizubringen.
Und aus diesem Wissen erklärt sich ja dann ziemlich einfach, wie man bestimmte Dinge benennt und darüber spricht. Also es geht ja in dem Sinn um Bildung auch in den Schulen und nicht so sehr jetzt um eine Sprachpolizei.
Ich fände das ziemlich anstrengend.
[00:44:42] Speaker B: Ja, absolut.
Wir reißen das noch ganz kurz im ersten Teil an, welche Aufgabe die Medien denn eigentlich haben in diesem ganzen Sprachkonvolut unseres gesellschaftlichen Alltags inklusive und vor allem unserer Jungen. Sie wissen, wir befinden uns gerade und auch wir werden im Montag darüber zu berichten wissen, in einer Phase, wo wir uns gezwungen sind, als Gesellschaft Social Media für die Kinder regelrecht zu verbieten.
Ein letzter Schritt, den eine Gesellschaft zur Verfügung hat. Aber so weit sind wir schon gekommen. Das heißt, irgendjemand hat nicht aufgepasst und ich gehe mal davon aus, dass irgendjemand gar nicht wusste, dass er, sie oder jene aufpassen hätten sollen.
Was machen wir mit diesem Dilemma, Frau Professor?
[00:45:45] Speaker A: Ja, also wenn ich das, wie gesagt, wüsste, ich habe da auch kein Rezept. Ich glaube, dass es da auch wieder verschiedene Ebenen gibt. Das eine ist, was Sie jetzt angesprochen haben, dass jetzt Kindern also der Zugang zu sozialen Medien teilweise restriktiver gemacht werden soll. Also ob man jetzt das mit 14 oder 16 oder was auch immer, Kinder werden sicher Wege finden, das zu umgehen, wie man das bei jedem Verbot immer als Kind gemacht hat und als Jugendlicher. Aber es hat eine Eigendynamik genommen und es ist irgendwie so wie der Zauberlehrling. Also man hat etwas die Flasche aufgemacht und dann hat sich das irgendwie ein Monster daraus entwickelt, das man jetzt nicht wirklich bändigen kann, auch weil die Leute, die diese Medien, auch die sozialen Medien besitzen, vor allem auf Profit aus sind und es denen ziemlich egal ist, was da passiert. Das ist natürlich wirklich gefährlich. Also dass da ein paar Menschen wie Musk et al.
Diese Social Media besitzen und demgemäß auch die Regeln dafür vorgeben können und welche Regeln?
Das finde ich wirklich gefährlich, weil sozusagen die Information, die globale Information jetzt von einigen wenigen in diesen großen Netzwerken gerichtet wird.
Das ist, glaube ich, ein Punkt.
Der zweite Punkt ist, ich finde es sehr wichtig, dass jetzt die Europäische Union und diverse Gesetzgeber da auch eingreifen. Dritter Es ist ja auch für alle, nicht nur junge Leute eine Gefahr, weil es Sucht hervorruft.
Also zu viel Social Media Konsum macht krank.
[00:48:08] Speaker B: Auch Erwachsene übrigens.
[00:48:10] Speaker A: Ja, und Erwachsene also sozusagen sich nur mehr mit dem Computer unterhalten anstelle von anderen Menschen.
Und das kann eben wirklich obsessiv werden. Das ist wirklich eine Suchtkrankheit, so wie Rauchen oder Alkohol oder irgendwas anderes. Das ist eine Sucht. Das muss man einfach besser behandeln können.
Das ist wirklich für diese Menschen traurig, weil sie die Interaktion in der Gesellschaft verlieren.
[00:48:47] Speaker B: Für alle, die uns jetzt zuhören und an diesem Thema interessiert sind, eigentlich sollten es alle sein, vor allem Eltern. Wir haben demnächst, ich weiß nicht genau, wann die Aufnahme sein wird, aber demnächst einen Montalk wieder mit Professor Scheibenbogen vom Kalksburg Institut, der mittlerweile auch, und das hat er uns schon vor Jahren im Montalk mal prophezeit, mittlerweile eine Abteilung dafür hat. Also es gibt Alkoholsucht und jetzt auch diese. Und das ist also wirklich eine wissenschaftliche Größe. Bevor wir jetzt den ersten Teil miteinander beenden, Frau Professorin Wodak, ich möchte gerne noch mit Ihnen dann im zweiten Teil über Sachen, die mich wahnsinnig interessieren. Also gendern müssen wir. Wir müssen über Gendern reden. Ich weiß, es ist ein Ja, aber das müssen wir tun, weil ich auch man in Schwierigkeiten kommen, weil mir der richtige Begriff nicht einfällt. Und dann sage ich dem bringen Sie uns doch noch eine Aschenbecherin, weil es mir lieber ist, ich mache diesen Fehler als den anderen.
[00:50:05] Speaker A: Ich glaube, dass das Gendern sozusagen wieder benutzt wird, die ganze Diskussion darüber und dass die große Auseinandersetzung also über Groß I Bindestrich Sternchen, Doppelpunkt und so weiter geführt wird, anstatt oder anstelle der wichtigen Diskussion über Pay Gap.
Das macht mich manchmal auch wirklich wütend. Also ich denke mir okay, Frauen müssen in der Sprache und alle müssen in der Sprache sichtbar werden ohnehin klar, wie man das macht, da kann man ja auch wirklich sehr undogmatisch sein.
Aber eigentlich würde ich gerne darüber reden, dass Frauen noch immer 16 Prozent weniger verdienen als Männer im gleichen Beruf gleich qualifiziert.
[00:51:02] Speaker B: Ich fürchte sie sogar mehr. Ja, ja, aber natürlich
[00:51:08] Speaker A: sollten und uns nicht echauffieren. Unglaublich über dieses Gendern in der Sprache.
[00:51:18] Speaker B: Ich würde auch gerne das umdrehen, was wir jetzt schon in der vergangenen Stunde gemacht haben, nämlich dass wir den Einfluss, den gesellschaftliche Veränderungen mit sich bringen, auf uns sprachliche Art annehmen müssen, sonst kommen wir nicht weiter. Mich interessiert, ob es auch sozusagen mit Schub Umkehr geht, ob die Sprache es vermag, gesellschaftlich, Klammer auf Gender, Klammer zu, Veränderung zu bringen, und zwar richtig knackige, wichtige Veränderungen. Wie viel Power hat die Sprache? Und dann darauf freue ich mich ganz besonders mit Ihnen zu sprechen, Frau Professorin, nämlich was das ist mit diese Seltsamkeit, dass zwischen Österreich und Deutschland es eine große, wunderschöne, verbindende Sprache gibt, die im Übrigen, das habe ich lange auch nicht gewusst, über ein Drittel mehr Ausdrucksmöglichkeiten verfügt als im amerikanischen Englisch, warum wir da uns so aufführen. Und die gehören nicht zu uns, weil die sprechen einfach anderes Deutsch als unser Deutsch. Und glauben Sie mir, in den vergangenen 50 Jahren, die ich in diesem Land lebe, habe ich das wirklich mitbekommen und ich bin so ratlos wie am ersten Tag. Also wenn Sie sich vielleicht ein wenig intellektuell vorbereiten möchten auf dieses Mein Thema, dann hoffe ich sehr, dass mir Sie mir helfen können, damit zurechtzukommen. Ansonsten sage ich jetzt einmal herzlichen Dank. Es war schon sehr, sehr aufschlussreich. Toll, dass es so Leute wie Sie gibt, die sich über so etwas, was wir eigentlich als Selbstverständlichkeit nehmen, so ab, sagen wir mal Ende des ersten Lebensjahres, es eben nicht selbstverständlich ist, dass es ein Kind unser aller ist, das wir pflegen müssen und zwar bis an sein Lebensende. Also seien Sie bedankt dafür, dass Sie als Pflegerin jetzt hier zur Verfügung gestellt haben. Grüßen Sie mir Ihre Kolleginnen und Kollegen und ich freue mich schon auf unser nächstes Gespräch. Ein kurzes Schlusswort.
[00:53:49] Speaker A: Ja, ich denke, es ist wichtig, noch mal zu betonen, wie Sie das jetzt gesagt haben. Also Kinder fangen, Babys fangen mit eineinhalb Jahren an zu sprechen. Es ist eben wichtig, ab und zu darüber nachzudenken, wie man spricht und warum wer in welcher Weise etwas gesagt hat.
Es ist nicht immer klar herauszufinden, warum jemand was gesagt hat, aber die Wirkung können wir alle spüren. Und ich glaube, es ist wichtig, das zu reflektieren. Also man sollte einfach hinterfragen, wenn man Zeit hat, wenn es sich ergibt, warum Kommunikation in einer bestimmten Weise abläuft.
Und mehr, glaube ich, ist uns allen im Alltag nicht zuzumuten.
Wir sollen auch nicht auf jedes Wort aufpassen, das wir sagen.
Aber dieses Bewusstsein, dass eben Sprache und Kommunikation sehr viel Macht besitzen, zu verletzen, etwas schön zu gestalten, also alle möglichen Gefühle zu erwecken, das sollte uns doch begleiten.
[00:55:15] Speaker B: Ja, ich freue mich auf den zweiten Teil. Ich hoffe, dass wir bald Zeit finden. Sie sind ja immer noch sehr, sehr begehrt und schreiben ein Buch nach dem anderen. Wie gesagt, Ihr aktuelles Titel hat etwas mit Babyelefant zu tun. Kommt im Herbst raus, glaube ich, im Janine Verlag richtig, Diesmal nicht im März
[00:55:38] Speaker A: heraus und im Pikus Verlag.
[00:55:39] Speaker B: Okay, okay. Darauf freuen wir uns und ich freue mich, wenn wir beide wieder zusammenkommen. Danke Ihnen.
[00:55:45] Speaker A: Dankeschön.
[00:55:47] Speaker C: In der Corona Zeit war nicht nur das Virus herausfordernd, sondern auch die Kommunikation darüber.
Baby Elefant, ständig neue Regeln und auch widersprüchliche Expertinnenstimmen. Viele Menschen erlebten vor allem Verwirrung und zu wenig Transparenz darüber, welche Maßnahmen gerade notwendig sind.
In diesem nachfolgenden Ausschnitt des Gesprächs von Frau Prof. Wodak und Alexander Göbel erklärt sie, welche Krisensprache wirkt und warum fehlende Nachvollziehbarkeit Vertrauen kostet. All das wird auch in ihrem neuen Buch besprochen mit dem Titel Babyelefant und Hausverstand, wie Krisen produziert werden.
[00:56:26] Speaker A: Es gab die Gefährder, die Ungeimpften und dann eben auch den Babyelefant, der dazu benutzt wurde, diese Social Distance, also diese physische Distanz zu bezeichnen.
Man musste also eine bestimmte Entfernung einhalten, zurück sozusagen den Mitmenschen, um die Gesundheit zu schützen.
In anderen Ländern wurde zwar auch diese physische Distanz sehr stark betont, aber es gab wesentlich weniger Sanktionen für die Übertretung dieser Gebote.
Und in einigen Ländern wurde ja völlig anders reagiert. Ich denke an Schweden. Es ging immer um dieses schwedische Beispiel, das ganz anders war, weil die Schulen also nicht so geschlossen wurden.
Im Übrigen hat es in Schweden ziemlich klare Lockdown Regeln gegeben, aber es wurde eben nicht alles so stark restriktiv gehandhabt wie bei uns. Und ich denke, dass es wichtig ist, transparent gewisse Dinge, also solche Gebote zu erklären und zu erklären, warum die jetzt gerade wichtig sind. Das ist nicht immer gelungen.
Wenn Sie sich erinnern an die unglaubliche Menge an Virologinnen und Epidemiologen und vielen Experten und Expertinnen, die plötzlich alle im Fernsehen erschienen sind und jeweils unterschiedliche Meinungen vertreten haben.
Es hat dies alles zu einer Konfusion geführt. Das heißt, man hat sich wirklich nicht ausgekannt, wie man sich verhalten soll und warum.
Diese Transparenz hat tatsächlich gefehlt.
Man kann sagen, in den ersten Monaten hat sich ja wirklich niemand ausgekannt und das war ein Schockzustand, ein globaler Schockzustand.
Aber dann haben eben in unterschiedlichen Ländern diese Experten, Expertinnen das unterschiedlich erklärt und auch nicht diese Verwirrung erzeugt, wie das beispielsweise bei uns war, wo man den wissenschaftlichen Prozess nicht nachvollziehen konnte. Also man hat eigentlich nur erlebt, da gibt es jetzt ganz unterschiedliche Meinungen. Naja, also dann weiß die Wissenschaft ja
[00:59:21] Speaker B: auch nicht, ja darf ich da kurz eingrätschen, Frau Professorin, nämlich, wenn ich Sie jetzt richtig verstanden habe, plädieren Sie für etwas, das ganz offenbar nicht oder nicht in dem Ausmaß, wie Sie es gerne gewünscht hätten, stattgefunden hat, nämlich diese sprachliche Transparenz, die es aber doch inhaltlich eigentlich gar nicht gegeben hat, denn wir wussten ja nicht, was das ist. Was es ist, beinhaltet ja auch, wo kommt es her? Da fing es schon an ganz, ganz früh waren es jetzt die Labors in in Wuhan oder war es um die Ecke diese Märkte, wo die lebenden Tiere da rumhingen und so weiter. Ab da war es ja eigentlich auch, muss man fairerweise sagen, für die Bundesregierung Mission impossible, diesen Wahnsinn zu verkünden.
Die Arbeiterkammer Niederösterreich hat eine neue die AK Blitz App ab sofort zum Downloaden. Bleiben Sie am Laufenden, erhalten Sie alle relevanten Informationen und Sie wissen, noch nie war es so wertvoll zu wissen, wo man seine Informationen her hat. Die AK Blitz App ab sofort zum Downloaden. Das war der Chefredaktion Susanne Karner, Mario Gattinger und Bettina Schabschneider. Straßenumfragen Christoph Baumgarten, Technische Stefan Dangl, Administration Christina Winkler, am Mikrofon Alexander Göbel.